Heinrich von Preußen

Heinrich von Preußen

Der unbeachtete Prinz

 

In diesem Jahr wird der 200. Todestag des Prinzen Heinrich von Preußen, des 14 Jahre jüngeren Bruders von Friedrich II., begangen. Er starb am 3. August 1802 zurückgezogen in Rheinsberg.

 

Aus diesem Anlaß würdigt die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten den bislang so wenig beachteten Prinzen. 

Seit 1991 wurden durch Restaurierung Schloss und Garten in Rheinsberg weitgehend wieder hergestellt wie zu Zeiten Heinrichs, der immer im Schatten seines Bruders, "Friedrich des Großen" stand.

 

 

In der großen Ausstellung 

"Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg"

wird vom 4. August bis zum 27. Oktober 2002 im Schloss erstmalig seine Rolle in und für Preußen gewürdigt.

 

Schloß Rheinsberg

 

Schloss Rheinsberg diente von 1734 an Kronprinz Friedrich bis zu seiner Krönung als König Friedrich II. im Jahr 1740 als Residenz. 1744 schenkte er das Schloss seinem Bruder Heinrich, der Rheinsberg in den folgenden Jahrzehnten zu einem Zentrum der Musik- und Theaterkultur und des Wandels zum Frühklassizismus in Preußen aufblühen ließ.

 

 

Aus der "Berliner Zeitung" vom 19./20.1.2002

von Julia Schmidt

Heinrich litt von der Wiege bis zur Bahre an dem Makel, immer nur der 14 Jahre jüngere Bruder von Friedrich II. zu sein. "Dabei war er in vielen Fragen der Bessere und Modernere", sagt Jürgen Loh von der Universität Potsdam. 

Viele seiner Verdienste seien unter den Tisch gekehrt worden, um das Bild Friedrich II. nicht anzukratzen. "Da Heinrich, wie sein Bruder, sehr eitel war, hat er viele Schriftstücke hinterlassen." Aus diesen werden laut Loh die Spannungen ersichtlich, die ständig zwischen den Brüdern herrschten. Nie waren sie sich einig, aber im Charakter sehr ähnlich. Friedrich missfielen vor allem die Wahrheitsliebe und das selbständige Denken des jüngeren Bruders, der sich ihm nie unterwarf und sein größter Kritiker war. Heinrich fühlte sich im Verstand Friedrich keineswegs unterlegen.

 

Viele Zeitgenossen hielten den Jüngeren für den besseren Feldherren, da er auf eine moderne Kriegsführung setzte und dadurch das Leben der Soldaten schonte. Heinrich scheiterte am Ende daran, daß er sich auch politisch nicht so richtig verwirklichen konnte, obwohl er oft als preußischer Sonderbotschafter durch Europa reiste und dadurch weltoffener war als sein Bruder. Viele seiner Denkschriften landeten bei Friedrich II. wie auch bei dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II. jedoch im Papierkorb.

 

Irgendwann zog sich der Prinz, tief in seiner Eitelkeit getroffen, endgültig ins Schloß Rheinsberg zurück, wo er sich seine eigene Welt aufbaute. 

"Der Ort gehörte ihm, hier war er der Herrscher und konnte allein bestimmen", sagt Loh. 

Heinrich gestaltete Schloß und Garten nach seinem Geschmack , schrieb hier Theaterstücke und komponierte. "Er galt zu seiner Zeit als führender Kopf in Norddeutschland, was Musik und Theateraufführungen angeht", sagt Loh. 

Heinrich lebte ohne seine Ehefrau Wilhelmine von Hessen und Kassel in Rheinsberg, denn seine Leidenschaft gehörte jungen Männern.

Im Garten ließ er sich dann unter einer Pyramide begraben.

 

"Hier in Rheinsberg erinnert zwar nichts mehr an Friedrich, und doch steht vor dem Schloß dessen bronzene Statue, nicht die Heinrichs", sagt Loh., der an der Gedenkausstellung mitarbeitet. Die Rheinsberger wollten sich mit dem großen König schmücken, der nur kurze Zeit als Kronprinz hier lebte. Heinrich hingegen hinterließ über 50 Jahre lang seine Spuren im Rheinsberger Schloß.