AUF DEM ST.-MATTHÄUS-FRIEDHOF IN BERLIN-SCHÖNEBERG

 

 

Auf dem denkmalgeschützten St.-Mätthäus-Friedhof in Berlin-Schöneberg ist noch bis zum 3. Oktober  eine Ausstellung "Kunstraum Mausoleum" zu sehen.

Künstler und Künstlerinnen präsentieren in den prachtvollen Mausoleen und an ausgewählten historischen Grabanlagen ihre zeitgenössischen Positionen zu den Themen Tod und Erinnerung. Allerdings waren einige Mausoleen mit Installationen nicht zugänglich. Möglicherweise nur bei einer Führung.

(Erläuterungen zu den Kunstwerken aus einem Faltblatt auf http://www.efeu-ev.de/Kunst2010/Kunstraum_Faltblatt.pdf)

 

 

 

Am Wandgrab Familie Wiemann:

 

DOPPELHÄNDE

Installation (2010)

von Ping Qui

 

 

 

 

Ein kunstvolles Gespinst aus weißen Fäden verbindet die neubarocke Grabskulptur einer Trauernden mit kleinen weißen Skulpturen in Gestalt von "Doppelhänden", die aus dem Grabfeld hervorragen.

Weiß, die Farbe der Reinheit, steht in China für den Tod...

 

 

Grabstätte "Minna Cauer":

 

"EIN HERZ FÜR MINNA"

Freiluft-Installation (2010)

von Birgit Cauer

 

 

 

 

Als Hommage an ihre berühmte Vorfahrin, die Frauenrechtlerin Minna Cauer (1841-1922), schuf Birgit Cauer ein von einem Frauenstiefel ausgehendes Objekt, das bei Annäherung der Besucher aufblinkt. Gestrickt und verwoben aus pinkfarbenen Plastikschnüren und unter einem Baldachin hängend, steht es als Allegorie für die weibliche Anmut und symbolisiert den mutigen Tritt und die Kraft des Vorwärtsschreitens.

 

 

Mausoleum Mitscherlich:

 

"Das Leben und der Tod"

Ölgemälde auf Leinwand (2010)

von Nouria Khadeeva

 

Die Figur, im geschlossenen Raum stehend, symbolisiert Trauer und ewige Ruhe. Im Gegensatz dazu zeigen sechs Gemälde die Bewegungen des Lebens mit all seinen Freuden, Leiden, Sehnsüchten und Hoffnungen...

 

 

 

Dieser Friedhof ist eine Ruhestätte für Prominente, Schwule und Sternenkinder, aber auch für "ganz normale" Sterbliche. Neben vielen repräsentativ gestalteten Grabmälern vermögender Familien der bürgerlichen Oberschicht sieht man neuzeitliche moderne und auch nonkonfessionelle Grabstellen. Sie versuchen die Persönlichkeit und den Geschmack des Verstorbenen wiederzugeben. Gerade auch diese aktuelle Nutzung des St.-Mattäus-Friedhofs macht einen Rundgang sehr interessant.

 

 

Grabstätte der Gebrüder Grimm

 

Grabstätte von Jürgen Baldiga,

deutscher Künstler und Fotograf

 

 

Baldiga wurde vor allem durch seine teilweise provokanten Fotoarbeiten, die sich mit seiner Person und dem Thema Aids auseinandersetzten, bekannt. Jürgen Baldiga veröffentlichte mehrere Bücher, und seine Arbeiten waren in verschiedenen Ausstellungen zu sehen. Der Nachlass Jürgen Baldigas befindet sich im Archiv des Schwulen-Museums in Berlin.

(aus Wikipedia)

 

 

Grabstätte von Napoleon Seyfarth und seinem Freund Schlomo Schlotto

 

 

Napoleon (Hans Joachim) Seyfarth war ein deutscher Schriftsteller, Autor und Anti-AIDS-Aktivist.

Mit seinem 1991 erschienenen autobiografischen Roman "Schweine müssen nackt sein - Ein Leben mit dem Tod" erregte Seyfarth deutschlandweit großes Aufsehen. Das Buch war eines der ersten größeren Werke deutscher Belletristik zum Thema AIDS.

(aus Wikipedia)

 

Schlomo Schlotto lebt offenbar noch, von ihm ist auf seiner Grabplatte nur das Geburtsdatum eingetragen.

 

Diese Grabplatte befindet sich ebenfalls auf der Grabstätte der beiden.

 

Dieses kleine lachende Schweinchen ziert ebenfalls die Grabstätte. "Schweine sind Symbol der Wollust. Außerdem sind sie auch schwul" - so sagte Napoleon Seyfarth in einem Interview.

 

Grabstätte von Andreas-Meyer Hanno

 

 

 

Andreas-Meyer Hanno war Opernregisseur, Hochschullehrer und Schwulen-Aktivist.

 

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Regenbogenfahne ein internationales schwul-lesbisches Symbol.

Hier wurde sie an einer Grabstelle angebracht.

 

Gedächtnisstätte für Avigdor Ben Trojan

 

 

 

Avigdor Ben Trojan ist ein  Pseudonym von Norbert Boesche. Er war ein deutscher Autor, Verleger und Privathistoriker.

Er schrieb unter dem Wahlnamen Avigdor Ben Trojan zwei Bücher über die verschwundenen jüdischen Nachbarn in Frohnau und Hermsdorf, deren Schicksal er in einer kleinen Arbeitsgruppe unter dem Titel "Projekt Reinickendorfer Judenheit" miterforscht hatte.

(aus Wikipedia)

 

Die Bücher heißen "Liebe Grüße an Frl. Ilse" und "Ich denke oft an Onkel Franz" - deshalb diese Grüße an die beiden auf dem Stein.

 

 

Seine Asche wurde wunschgemäß unter israelischem Himmel in einem Apfelsinenhain ausgestreut.

 

Grabstätte von Hedwig Dohm

 

 

 

Hedwig Dohm war eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sie war eine der ersten feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Prägung zurückführte statt auf biologische Determination.

 

Im Übrigen ist sie die Großmutter von Katia Mann, der Frau von Thomas Mann.

 

 

 

Der Journalistinnenbund hat das Grab für weitere 20 Jahre gesichert und am 22. September 2007 eine Gedenkstätte errichtet.

(aus Wikipedia)

 

Grabstätte von Florian Gérard

 

 

 

Vom Tod dieses jungen Mannes hatte ich schon vor langer Zeit im Internet gelesen. Keine Krankheit, kein Unfall, sondern der plötzliche, lautlose Tod: Herzstillstand. Mit 23 Jahren!

Seine Mutter hat ihm eine Internetpräsenz gewidmet

http://www.trauer-um-florian.de/

und ihre Trauer in einem Buch verarbeitet.

 

Das Grab ist wie ein kleiner Garten, sogar ein kleiner Teich fehlt nicht.

 

Grabstätte von Jutta Lamberg

 

 

 

In ihrem Leben hat wahrscheinlich die Freude am Radfahren eine große Rolle gespielt, dass sie das Rad auch über den Tod hinaus begleitet.

 

Grabstätte von Jürgen

(und von Schnäuzchen?)

 

 

 

Wer ist Schnäuzchen? Ein Hund? Dieses Tier sieht eher aus wie ein kleiner Fuchs.

 

Dieser kleine Vogelkäfig ist am Grab einer Frau zu finden. Vermutlich mochte sie die kleinen Tierchen.

 

Ein moderner Grabstein, einmal ganz anders...

 

Grabstätte von Feodora Astra Dessauer

 

 

Auch das ein geschmackvoller moderner Grabstein, gefertigt von der Bildhauerin Maria Rucker. Ungewöhnlich ist, wie aus der Fachzeitschrift "Naturstein Juni 2008" hervorgeht, dass Feodora A. Dessauer noch zu Lebzeiten 2008 selbst den Stein aufstellen ließ und sich offenbar (und hoffentlich) noch immer ihres Lebens freut. Sie hat rechtzeitig vorgesorgt.

 

 

Nachtrag Februar 2013:

Wahrscheinlich am 11.01.2011  ist die an Multipler Sklerose leidende Frau, die seit vielen Jahren im Rollstuhl saß, gestorben.

 

 

Grabstätte von "Mutti"

 

... und hier von der Oma

(allerdings auf einer anderen Grabstätte)

 

 

Am Eingang des Friedhofes befindet sich eine Wand mit Urnengrabstellen.

Pjotr war offenbar ein humorvoller Mensch :-)

Garten der Sternenkinder

"Wenn die Zukunft endete, bevor sie beginnen konnte"


Der "Garten der Sternenkinder" ist eine Ruhe- und Gedenkstätte für Kinder, die sterben, bevor sie geboren werden und nicht der Bestattungspflicht unterliegen (in Berlin 1000 g), sowie verstorbene Babys bis einschließlich 12. Lebensmonat.
Eltern sollen hier einen Platz für ihr Kind und einen Ort für ihre Trauer finden. Der Kirchhof stellte 80 Grabstellen für "Sternenkinder" zur Verfügung.

(aus http://www.efeu-ev.de/sternk2.html)

 

Die kleinen Grabstellen sind rondellartig angeordnet, in der Mitte steht dieser mit Spielsachen und Andenken behängte Baum.

 

 

 

 

 

 

 

Archiv 2010

 

Archiv 2009

 

Archiv 2008

 

Archiv 2007

 

Archiv 2006

 

Archiv 2004/2005

 

 

 

 

 

WOCHE 31

 

St.-Mätthäus-Friedhof

Großgörschenstraße

Berlin-Schöneberg

04.08.2010