CEAD MILE FAILTE !

 

IReLAND

 

South-West

 

Co. Kerry

 

 

 

 

22. Mai - 5. Juni 1999

 

 

 


 


Samstag, 22. Mai 1999

 

Auf diesen Tag haben wir nun schon einige Zeit gewartet, Vorbereitungen getroffen, uns über Irland informiert. Und jetzt ist es soweit.

 

Pünktlich 8.00 Uhr kommt Daniel, um uns zum Flughafen zu fahren. Natürlich sind wir alle wach und auch schon ein wenig aufgeregt. D.h., alle wohl nicht, wahrscheinlich nur ich mit meinen etwas dünnen Nerven.

 

Halb 9 sind die Koffer verstaut, Sebastian ist auch bereit, und so fährt Daniel uns nach Tegel. Noch etwa 10 Minuten müssen wir warten, bis wir uns einchecken können und wenigstens das hinderliche Gepäck los sind. Mit den Kindern gehen wir noch etwas essen und trinken, reden noch ein wenig. Dann sage ich, daß sie nicht warten müssen, bis wir nun auch wirklich weg sind, und so gehen wir zu unserem Schalter. Auf einmal ertönt ganz laut ein freudiges "Frau Dittmar!!" hinter mir. Völlig verblüfft drehe ich mich um und sehe meinen Chef, Herrn Duschek, zusammen mit Herrn Ürkmez. Sie kommen strahlend mit einem Gepäckwagen an, soeben von ihrer dienstlichen Reise nach Istanbul zurückgekehrt. So kann ich mich von ihnen noch einmal  verabschieden.

Nachdem ich meine Kinder noch einmal umarmt habe (immer ein bißchen mit dem Hintergedanken: Hoffentlich nicht zum letzten Mal!), gehen wir in den Warteraum.  Dort verkündet man uns, daß das Flugzeug ca. 45 Minuten später starten wird, der Luftraum sei überfüllt. 12 Uhr setzt sich das Flugzeug dann aber in Bewegung, nur eine halbe Stunde später als geplant. Es ist eine Boeing 737 der Deutschen BA.  Der Flug dauert etwa 2 Stunden und 20 Minuten, und irgendwann stellen wir dann die Uhren eine Stunde zurück, um in Irland mit der dortigen Zeit klarzukommen. 13.20 Uhr nach dortiger Zeit sind wir auf der Grünen Insel.

Auf dem Flug können wir leider nicht sehr viel sehen außer Wolken, die jedoch immer wieder sehr schön in dieser Nähe aussehen. Aber zwischenzeitlich können wir winzige Schiffe im Wasser erspähen und dann später doch hin und wieder etwas Grün.

In Shannon sieht es zuerst etwas duster aus, und ich denke, nun empfängt uns gleich das irische Regenwetter. Aber das ist nur mal eine vorübergehende Drohung ohne einen Tropfen Regen.

 

In der Ankunftshalle finden wir den Sixt-Schalter, an dem wir unser Mietauto abholen müssen. Da wir unser Gepäck relativ spät erhalten haben, sind schon eine ganze Menge Leute vor uns in der Schlange. Es wird aber von zwei, teilweise 3 Leuten abgefertigt, deshalb geht es doch recht schnell. Eigentlich habe ich ziemlichen Bammel vor der mich gleich erwartenden Fahrt im irischen Linksverkehr. Bei der Abfertigung verstehe ich nur relativ wenig von dem, was der Mann mir sagt, weil er sehr schnell und nuschlig spricht. Ich muß meine VISA-Card geben, und er verschwindet damit. Da ich gesehen habe, daß er das mit allen Leuten so macht, denke ich mir nichts dabei. Später, schon wieder zu Hause, stellt sich anhand der Kontoauszüge heraus, daß 80 Pfund abgebucht worden sind.

30 sind - das erfahre ich auch erst bei der Autoabgabe - für die volle Tankfüllung. Die anderen 50 Pfund - weiß der Teufel, wofür die sind. Irgendeine Versicherung, die wir nicht brauchen, weil ja durch die Buchung über das Reisebüro alle notwendigen Versicherungen schon enthalten sind. Leo hatte mich gewarnt vor diesen Geldschneidereien, aber das hat sich bei mir wohl schon wieder in den Weiten des Gehirns verflüchtigt. Es ist sozusagen unser Lehrgeld, das wir zahlen müssen - das nächste Mal sind wir klüger!

 

Vor dem Flughafengebäude ist der Stand des Sixt-Shuttle-Busses, der uns samt Gepäck zu dem mit Autos überfüllten Sixt-Platz bringt. Wir bekommen einen bonbonroten (häßliche Farbe!) Toyota Corolla. Er ist noch recht neu, hat eine 99er Zulassung, was man an der Autonummer erkennt. Das Zulassungsjahr ist der erste Teil der Autokennzeichens in Irland, danach kommen Buchstaben für den Zulassungsbereich (bei uns offenbar Limerick) und als letztes eine laufende Nummer. So "heißt" unser Auto 99-LK-902 und hat erst 7353 Meilen, etwa 11170 km, weg.

Die Autos sind so eng hintereinander geparkt, daß man nicht mal das Gepäck einladen kann, ich muß erst ein Stück vor fahren. Verabredungsgemäß rufe ich Leo an, der sich in dem Moment auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt befindet, denn er kommt am gleichen Tag auch nach Irland und hätte vorher gern noch einen wettermäßigen Lagebericht.

Bevor ich starte, frage ich noch schnell den Shuttle-Bus-Fahrer, wie ich denn fahren muß in Richtung Killarney, und er sagt: "right - left - right". Also fahre ich los: rechts, links, wieder rechts - und schon sind wir in Richtung Süden unterwegs. Ca. 140 km Fahrt stehen uns bevor. Das Auto fährt sich ganz herrlich, und die Umstellung auf das Schalten mit der linken Hand ist gar nicht so schwer. Auch nicht das Fahren auf der linken Seite, denn die anderen Autos fahren ja auch da, ich muß ihnen nur folgen. Schwieriger ist erst einmal (Anfangsschwierigkeiten, später geht alles immer sehr gut), bei Abzweigungen oder Roundabouts (Kreisverkehr) herauszufinden, in welche Richtung wir denn müssen. Irgendwann ist dann aber immer Killarney ausgeschrieben, da sind wir richtig. Unterwegs versorgen wir uns in einem SPAR mit den ersten notwendigen Lebensmitteln. Die Sonne scheint, es sind ca. 13 °C. Mir ist warm im Auto, wahrscheinlich auch durch die doch vorhandene Anspannung beim Fahren.

Wir fahren, durch Leos Bericht gewarnt, nicht ganz bis Killarney, sondern biegen in Farranfore rechts ab, fahren über Milltown in Richtung Killorglin. Killorglin erreichen wir aber gar nicht, weil schon vorher ein Schild in Richtung Golfplatz weist; unsere Unterkunft soll sich ja direkt neben dem Golfplatz befinden. Dort bekommen wir auch unseren Schlüssel für das Haus Nr. 8.  Auf dem Gelände stehen 12 gleichartige hellgelbe Häuser, nur die Haustüren haben jeweils eine andere Farbe und natürlich Nummer. Unsere Haustür ist rot. Vor einigen Häusern stehen schon Autos, manche sind auch noch nicht belegt.

 

Wir tragen unser Gepäck hinein und inspizieren erst einmal unser Domizil für 2 Wochen. Wir sind sehr zufrieden, bedauern nur, daß einiges ungenutzt bleibt. So haben wir 3 Schlafzimmer! Das eine mit Einzelbett kommt ohnehin nicht in Frage, das würde wahrscheinlich Heidi benutzen, wenn sie mitgekommen wäre. Die anderen beiden haben jeweils 2 Betten - einmal mit getrennten Betten, einmal mit Doppelbett. Das Doppelbett hat wieder diese riesige Doppel-Steppdecke, wie wir das schon aus England kennen. Die ist gut, wenn man sich aneinander kuscheln möchte (und das muß man sozusagen zwangsläufig), jedoch schlecht, wenn man sich lieber richtig in die Decke einkuscheln möchte - das geht dann nämlich einfach nicht. Da aber genügend Zudecken zur Verfügung stehen, kann jeder seine eigene Decke haben (obwohl für 3 Personen gebucht, sind alle 5 Betten bezogen). Auch ein zweites Kissen fällt für mich ab, weil ich nicht gern so flach schlafe.

Die beiden Badezimmer - eins mit Wanne und Dusche, eins mit Dusche - nehmen wir beide in Beschlag.

Das Wohnzimmer hat einen Kamin, was Jochen gleich mit großer Freude bemerkt. Er macht für sein Leben gern Feuer, und die Zutaten dazu sind fast das erste, was er kauft, obwohl das Feuer am Ende erst in den letzten Tagen entfacht werden wird. Nötig ist es nicht, denn es gibt eine elektrische Heizung. Da kann man die gewünschte Wärmestufe einstellen, danach schaltet sich die Heizung entsprechend ein oder aus. Anfangs friert Jochen andauernd, aber mit der Zeit aklimatisiert er sich auch ganz gut.

Im Wohnzimmer gibt es eine Couch und zwei Sessel, aber keine Leselampe. Das ist das einzig Schlechte, weil Urlaub und Lesen für uns immer zusammengehören, und die Deckenleuchte allein gibt das nötige Licht einfach nicht her. Jochen holt dann ein Nachtschränkchen und stellt es zwischen die beiden Sessel. Darauf kommt (mit einer hohen Schüssel als Untersatz, um den Lichteinfall zu optimieren) eine Tischleuchte. Das muß reichen zum Lesen. Einen Fernsehapparat gibt es auch, den wir sogar nutzen. Wir hören Nachrichten, sehen auch mal eine Tiersendung, vor allem aber das Wetter!

An das Wohnzimmer schließt sich die großräumige Küche an, die mit Geschirrspüler und Mikrowelle, natürlich auch mit dem sonstigen Zubehör wie Herd und Kühlschrank, eingerichtet ist. Es ist gemütlich. Eine kleine Terasse mit Blick auf eine Hecke und davor eine wunderschöne Gänse- und Butterblumen-Wiese schließt sich an. Wenn man über die Hecke schaut, hat man einen sehr eindrucksvollen Blick auf die Flußmündung des Main river und eine Bucht (laut Karte Castlemaine Harbour). Rechts davon sieht man die Sliev Mish Mountains auf der Halbinsel Dingle, links Macgillycuddy's Reeks, den höchsten Berg Irlands (1038 m) auf der Halbinsel Iveragh.

In einem Nebenraum gibt es noch eine Waschmaschine einschließlich Trockner sowie Bügelbrett und Bügeleisen.

 

Bei unserer Ankunft begrüßt uns ein großer schlanker schwarzer Hund, der ist sehr zutraulich. Später liegt er lange Zeit auf unserer Terasse.

 

Nachdem die Koffer ausgepackt sind, koche ich erst einmal einen Tee. Der tut wohl!! Das Wasser ist sehr weich, und damit schmeckt der Tee auch besonders gut. Jetzt endlich sind wir RICHTIG im Urlaub!

   

An dem Abend gehen wir nicht mehr weg, essen zu Hause. Ich telefoniere mit Sebastian, daß wir gut angekommen sind. Der genießt die sturmfreie Bude und feiert gerade eine kleine Party (das hatte er uns aber vorher gesagt). Auch mit Hildi und Wolfgang spreche ich, die sich zu der Zeit auf einer Busreise durch Irland befinden, und am nächsten Tag sollen sie in unserer Nähe, auf der Halbinsel Dingle, sein. Dort wollen wir uns treffen. 

 

Ich bin nach all der Anspannung und den kurzen Nächten der letzten Zeit todmüde und gehe schon 21.30 Uhr zu Bett (in Deutschland 22.30). Wie meist bin ich fast sofort eingeschlafen. Allerdings habe ich diese Nacht und auch in den folgenden schlimme Albträume. Später dann werden meine Träume wieder normal, manche sogar sehr angenehm. Daran kann man wohl auch den Streßabbau erkennen, der sich vollzieht.

Jochen hat fast die ganze Zeit große Schlafschwierigkeiten. Abends ist er nicht müde genug, hat oft kalte Füße (was ihm ein Einschlafen unmöglich macht); morgens wacht er zeitig auf und kann nicht wieder einschlafen. Das hat den Vorteil, daß er dann immer als erster aufsteht und das Frühstück bereitet wie eigentlich immer im Urlaub.

 

 

 

Sonntag, 23. Mai 1999

 

Pfingstsonntag. Hätten wir es nicht gewußt, gemerkt hätte man es nicht.

7.00 Uhr steht Jochen bereits auf und bereitet das Frühstück (Toast, Schinken, Käse, gekochte Eier, Tee). Wir warten auf Hildis Anruf, wann sie etwa da sein werden. Es ist auch abhängig vom Wetter, ob ihre Reisegruppe tatsächlich auf die Halbinsel Dingle fährt. Sie sind für 5 Tage in einem Hotel in Ennis untergebracht, von dort aus finden dann Tagestouren statt.

Hildi ruft an, daß sie jetzt frühstücken gehen, danach gäbe sie uns Bescheid, wann sie losfahren. Wir haben also genug Zeit, in Ruhe zu frühstücken.

Kurz danach kommt schon ein telefonischer Hilferuf von Sebastian. Unerklärlicherweise ist er schon wach und hat nichts Besseres zu tun, als seine Turnschuhe in der Waschmaschine zu waschen. Die zeigt aber einen Fehler an. Da ich so etwas schon geahnt hatte, hatte ich ihm die Fehlerliste bereitgelegt und bitte ihn, dort drauf zu schauen. Da er nicht wieder anruft, scheint es sich erledigt zu haben (er hatte den Deckel der Maschine nur nicht ordentlich eingerastet).

 

Der Morgen ist ein wenig feucht, Inzwischen sind offenbar auch alle Häuser belegt, wie man an den davorstehenden Autos sehen kann. Wir legen unsere dickeren Jacken bereit, und das ist auch gut so.

Dann rufen Naumanns an, daß wir uns gegen 10.30 Uhr in Tralee an einer Windmühle, der größten Irlands, treffen. Auf der Karte finden wir keine eingezeichnete Windmühle, aber wir denken, wenn die so groß ist, wird sie ja wohl nicht zu übersehen sein.


Wir fahren also in Richtung Tralee, unversehens sind wir mitten im Städtchen, von einer Windmühle ist nichts zu sehen, auch kein Hinweis. Ich habe aber einen Abzweig in Richtung Dingle gesehen, dorthin fahren wir zurück und fahren dann in diese Richtung, wieder aus Tralee hinaus. Wie sich herausstellt, ist das richtig. Bald kommen wir nach Blennerville, das im Prinzip nur aus wenigen Häusern, einer Tankstelle, der Windmühle und einer Bahnstation für eine kleine von einer Dampflok gezogenen Bahn (aber gut genutzt!) besteht.

Vor der Mühle ist ein großer Parkplatz, dort stellen wir das Auto ab und erkunden erst einmal die Gegend. An der Tankstelle kaufen wir uns eine bessere Karte, nur vom Süden Irlands. Die ist uns dann immer eine große Hilfe.

Während wir noch warten, ruft Leo an. Er ist also inzwischen auch gut in Irland angekommen. Seine Unterkunft ist in Carrigaholt, Co. Clare, etwa 50 km westlich von Shannon.

 

Endlich melden sich die Naumanns noch einmal aus dem Bus, daß sie in 5 Minuten da sind. Wir sehen dann schon den großen Reisebus aus Cottbus, und als er auf den Parkplatz einbiegt, winkten die beiden schon ganz happy. Es ist eine herzliche Wiedersehensfreude. Die beiden sind froh, daß sie mal nicht mehr im Bus sitzen müssen, es ist doch recht anstrengend. Auch, weil der irische, gut Deutsch sprechende Reiseführer unentwegt etwas erzählt. Auf diese Weise haben sie zwar eine Menge erfahren und wissen viel mehr, als wir uns je aus einem Reiseführer angelesen haben, aber auf die Dauer ist es auch belastend.

 

Wir beschließen, in den Fischerort Dingle zu fahren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dahin zu kommen. Ich schlage vor, die Route über den Conair-Paß zu wählen, die ist in einem Reiseführer empfohlen worden.

Vertrauensvoll setzen sich die beiden zu uns ins Auto. Wolfgang sagt mir am Ende der Fahrt, er hätte überhaupt keine Angst gehabt, mit mir im Linksverkehr zu fahren, obwohl ich wohl mindestens ebenso zügig gefahren sei wie zu Hause im Rechtsverkehr (was sie eigentlich schon als "Rasen" einstufen).

Dafür holt Jochen recht oft tief Luft und sagt: "Paß auf!" Er hat sogar recht. Da das Lenkrad ja auf der rechten Seite ist, habe ich noch nicht das richtige Gefühl für die linke Seite und fahre da am Anfang meist zu weit links. Auch schon deshalb, weil die Straßen oft sehr eng sind, und wenn ein Auto entgegenkommt, weiche ich instinktiv nach links aus. Nur ist da oft der Randstreifen nicht befestigt, und fast immer sind dort Hecken oder gar die typischen Steinwände.

Die Fahrt durch die Berge ist aber sehr beeindruckend! Hin und wieder halten wir an, wenn es möglich ist, um in Ruhe zu schauen. Ich kann ja beim Fahren kaum umher schauen, ich muß mich auf die unwahrscheinlich enge Straße konzentrieren, vor allem bei Gegenverkehr. Leider beginnt es dann fein, aber etwas heftig zu regnen. In Dingle ist der Regen jedoch längst vorüber.

Wir machen dort einen Stadtbummel und essen das erste Mal in Irland in einem Pub zu Mittag. Jochen ißt in Teig eingewickeltes süßsaures Schweinefleisch mit Pommes, wir anderen drei nehmen Pasta mit Tomatensoße. Das ist nicht umwerfend, und ich mache mit der Zeit die Erfahrung, daß man in Irland besser nicht italienisch ißt. Es ist in der Regel übermäßig teuer und nicht annähernd so, wie man es gewohnt ist.

Die Männer fragen nach Kilkenny und meinen damit das Bier, aber die Kellnerin schaut sie total verständnislos an. Es stellt sich dann mit der Zeit heraus, daß es dieses Bier in der dortigen Gegend fast nie gibt, immer nur Guiness, Heinecken oder Lagerbier. 

Außerdem haben wir es auch immer falsch ausgesprochen, es wird auf der zweiten Silbe, nicht auf der ersten, betont, wie wir später mitbekommen.

So trinken die Männer Guiness, den Starkmacher!

 

An einem Automaten holen wir Geld. Wir hatten vergessen, trotz Leos Hinweis, gleich am Flughafen welches zu holen und haben nur das wenige, das wir vorsichtshalber vorher in Deutschland getauscht hatten. (Leo hat es, wie sich herausstellt, aber auch vergessen *gg*).

Wir sehen uns noch den Hafen an, dann müssen wir uns schon wieder auf den Rückweg machen, denn ca. 16 Uhr wollte der Bus wieder auf dem Parkplatz sein und die beiden aufnehmen. Diesmal fahren wir nicht wieder über den Paß (es ist für mich doch recht grauenvoll gewesen, diese enge Straße, die fast nur in Kurven verlief, zu fahren). Die andere Strecke ist insofern schön, als man da nicht nur die kahlen Bergwände, sondern auch die schöne grüne Landschaft, die hingestreuten Anwesen, die Steinwälle überall und die Berge in Entfernung sieht.

Pünktlich sind wir da, vom Bus keine Spur. Wolfgang ruft den Busfahrer an, und der sagt, daß es noch eine Stunde dauern könne. Das ist natürlich schade, dann hätten wir länger bleiben können, aber wir sind vorher einfach nicht auf die Idee gekommen anzurufen. Letztendlich ist das aber nicht schlimm, wir gehen einfach Kaffee (bzw. Tee) trinken in das Restaurant an der Windmühle und unterhalten uns. Zum Tee nehmen wir Kuchen, der ist recht süß. Nur Jochen hat genau den richtigen, den wir in der Folgezeit noch sehr oft essen, nämlich Apple Pie (gedeckten Apfelkuchen) mit Sahne.

Wir rufen dann Jutta an, unsere gemeinsame Studienfreundin, die gern mit nach Irland gefahren wäre. Die ist nicht schlecht erstaunt, weil sie zwar weiß, daß wir in Irland sind, aber nicht, daß wir uns mit Naumanns treffen.

 

Nachdem der Bus gekommen ist, verabschieden wir uns und fahren nach Killorglin zurück. Einmal hoppelt kurz vorm Auto ein Häschen über die Straße und erschreckt mich wahnsinnig, denn nie möchte ich in die Lage kommen, so ein Tier zu überfahren.

In Killorglin bekomme ich erst mal fast Panik. Obwohl schon Abend und Sonntag, sind die engen Straßen voll mit Autos, dazu führt die Straße noch recht steil aufwärts. Ich fahre entnervt in die erste beste freie Parklücke.

Zuerst suchen wir den Lieblings-Pub von Leo, "Old Forge". Als wir den betreten, ist erst einmal vor lauter Dunkelheit und Rauch nichts zu sehen. Es ist ziemlich voll, Musik gibt es (noch) keine, die Leute sitzen alle beim Bier. Zum Biertrinken finde ich es gemütlich, erst recht, wenn da noch dazu Musik gespielt wird. Aber essen will Jochen hier nicht, falls es da überhaupt was zu essen gibt. Wir gehen deshalb ins "Kerrys Vintage Inn", was uns am meisten zusagt von allen Pubs, Bars und Restaurants in Killorglin. (Später, als ich noch mal Leos Bericht lese, stellt sich heraus, daß sie dort auch am ersten Abend gegessen hatten).


Wir essen dort ein Irish Stew, eine Art Eintopf mit Gemüse, Kartoffeln und Hammelfleisch.

Jochen ißt das später in einer ganzen Reihe von Lokalen, da ist es meist besser als hier, oft aber auch gar nicht wie ein Eintopf, nur eben einfach alles zusammen auf dem Teller. Mit viel Nachwürzen schmeckt es mir auch ganz gut, nur das Fleisch ist mir zu fett. Ich schaffe die Portion auch nicht.

An unserem Tisch sitzen zwei Männer. Der eine spricht uns gleich an. Es sind Vater Garry und Sohn Dan aus Kanada, die hier für 3 Wochen zum Golfen sind. Ihre Unterkunft ist ein B&B (Bed and Breakfast). Auf unserem Golfplatz sind sie auch, aber wir haben sie nie wieder gesehen.

 

Als wir wieder nach Hause fahren wollen, steht quer hinter unserem Auto ein anderes Auto, so daß wir nicht wegfahren können. Etwas ratlos stehen wir herum und hoffen, daß der Besitzer nur schnell was erledigt und zurückkommt. Das geschieht aber ewig nicht. Als ich gerade beschließe, in das Restaurant (ein Take away - also, wo man sich etwas holen kann, um es mit nach Hause zu nehmen) zu gehen und dort zu fragen, ob jemandem das Auto gehört, läßt sich der Besitzer sehen. Er scheint in das Take away zu gehören, denn er geht da wieder hinein, nachdem er das Auto ein Stück weggefahren hat.

 

Als wir zu Hause ankommen, kommt unserem Auto schon der schwarze Hund entgegen und begrüßt uns. Wir sind sehr gerührt!! Später lagert er sich wieder auf unserer Terrasse.

 

 

 

Montag, 24. Mai 1999

 

Als ich aufwache und aus dem Fenster auf die Wiese schaue, sehe ich zwei Elstern auf einem kleinen Sandhügel an der Hecke hocken, und auf der Wiese schnuppert ein Häschen. Richtig idyllisch.

Aus der Küche kommt der Geruch von gebratenem Schinken und Ei, nicht gerade mein Lieblingsgeruch am frühen Morgen. Aber wenigstens essen muß ich das nicht.

 

Der Himmel ist hell, und es ist auch kein Regen angesagt. So beschließen wir beim Frühstück, in den Killarney Nationalpark zu gehen.

In Killorglin verfahren wir uns aber und landen auf dem Ring of Kerry. Das ist eine landschaftlich sehr reizvolle Straßenführung rund um die Halbinsel Iveragh. In der Gesamtlänge soll der Ring of Kerry ca. 180 km betragen. Als erstes biegen wir erst einmal vom Ring ab auf eine Strecke, die rund um den Lake Caragh führt (etwa 1 Sunde Fahrt). Der See ist sehr langgestreckt, hat ganz sauberes Wasser und bietet viele reizvolle Anblicke. An einer Stelle, an dem einen Ende des Sees, halten wir längere Zeit an. Diese Stelle nennt sich Blackstones. Da fließt ein Wasser über Steine, und an einer Stelle ist ein Schild "Private Fishing" angebracht. Also nichts mit "Going Fishing", aber das haben wir ja ohnehin nicht vor.

Bei der Umrundung des Sees stehen öfter auf einmal Kühe oder auch Schafe (meist einzeln oder ein Mutterschaf mit einem Lämmchen) auf der Straße.

Da aber die Straße da auch wieder sehr eng und kurvenreich ist, fahre ich auch nicht so schnell und kann leicht anhalten, um den Abzug der Tiere abzuwarten. Die Einheimischen fahren schon manchmal wie die Verrückten und rechnen wohl das eine oder andere Mal nicht mit Touristen, sonst würden sie sich, auch im eigenen Interesse, mehr zurückhalten.

 

Leo ruft an, wo wir seien. Er ist mit seinen Leuten an den Cliffs of Moher, was ja auch noch ein Ziel für uns ist.

 

Wir folgen dann der Führung des Ring of Kerry. Es bieten sich eine unheimlich reizvolle Landschaft mit viel Grün, Seen und Bergen. Besonders schön empfinde ich es, wenn man einen Ausblick auf das Wasser (auf die Dingle Bay und später auf den  Atlantik) hat. Eine Stelle nennt sich deshalb auch "Atlantik View".

 

Zum Mittagessen fahren wir in den kleinen Ort Sneem. D.h., wir landen zu einer Zeit dort, als uns nach Mittagessen ist. Wir finden eine Bar, in der wir preiswert und gut essen können. Jeder eine Suppe des Tages (Gemüsesuppe). Die wird immer mit Brot und Butter gereicht. Hinterher ißt Jochen Roasted Beef, richtig viel Rinderbraten. Da ist er glücklich, hat er doch endlich wieder mal eine ordentliche Fleischportion auf dem Teller. Dazu gibt es Gemüse und zwei Kugeln einer gelben Masse, die wir erst für Klöße halten und uns schon wundern, daß es so etwas in Irland gibt. Es ist aber nur zu einer Kugel geformter Kartoffelbrei (mashed potatoes oder kurz mash). Ich esse Räucherlachsscheiben mit Salat dazu.

 

Bei der Weiterfahrt machen wir noch einmal in Kenmare Halt. Das ist ein hübsches kleines Städtchen, und wir bummeln ein wenig durch die Straßen und Läden, kaufen auch gleich noch Lebensmittel für zu Hause ein (Jochens Lieblingsbeschäftigung!). So einen Stadtbummel finde ich weniger wegen des Angebotes in den Läden (ist aber natürlich auch nicht uninteressant) gut, sondern wegen der Vielfalt an Läden und Pubs. Jedes für sich ist von der Farbgebung und der Gestaltung her sehenswert, und nicht umsonst werden Poster und Postkarten mit unendlich vielen Ansichten von diesen Gebäuden verkauft - es ist einfach auch etwas fürs Auge. Und mir vermittelt es den Eindruck von Gemütlichkeit und Gelassenheit.

 

Den ganzen Nachmittag ist es sehr sonnig, und wir haben auch bald einen kleinen Sonnenbrand. 

Die Weiterfahrt auf dem Ring of Kerry führt uns dann am Killarney Nationalpark vorbei, so können wir schon mal Aussicht halten, wohin wir am besten dann fahren, wenn wir uns das genauer ansehen wollen. Über Killarney fahren wir zurück nach Killorglin. 19 Uhr wollen wir spätestens zu Hause sein, weil sich da die Hausverwalterin angesagt hat (auf einem Zettel, der im Flur neben dem Telefon lag). Das schaffen wir auch gut. Sie kommt natürlich nicht pünktlich, aber uns ist das egal. Als sie kommt, möchte sie 50 Pfund von uns als Kaution für Wasser und Strom, am Ende würde abgelesen und nicht verbrauchtes würde wieder ausgezahlt. Sie kündigt sich für den 5.6., unseren letzten Tag, 10 Uhr zum Ablesen an.

 

Der Hund läßt sich an dem Tag nicht sehen, er schneidet uns schnöde, ist bei den Nachbarn zu Besuch.

 

 

 

Dienstag, 25. Mai 1999

 

Strahlender Sonnenschein weckt uns am Morgen. Heute steht nun wirklich der Killarney Nationalpark auf dem Programm.

Die Hinfahrt ist nun diesmal kein großes Hindernis, und wir nehmen gleich den ersten Parkplatz nach der Stadt, an dem schon die Pferdekutschen (Jaunting Cars) auf die Touristen lauern. Für die Pferdekutscher sind wir keine guten Touristen, weil wir unbedingt die ganze Strecke zu Fuß gehen wollen. Der Weg führt uns durch den Park mit Blick auf einen der drei Seen, den Lough Leane, und auf die Berge. Als nächstes kommen wir an der Ruine der Muckross Abbey vorbei, einem Kloster aus dem 15. Jahrhundert. Vor der Ruine befindet sich ein Friedhof, der auch heute noch genutzt wird. Einen ungewohnter Anblick bieten die vielen Kühe auf der Wiese, unmittelbar vor den Grabsteinen.

Wir laufen weiter auf dem mit Pferdeäpfeln reichlich gesegneten Weg zum Muckross House, einem 1843 von einem schottischen Architekten im elisabethanischen Stil erbauten Herrenhaus, direkt am Muckross Lake gelegen und von einem wunderschönen Garten umgeben. Dort warten schon wieder jede Menge der Jaunting Cars auf Leute, die keine Lust mehr haben, den Weg wieder zurückzulaufen.

 

Im Hof des Muckross House essen wir in einem Selbstbedienungsrestaurant zu Mittag (Chicken, mash und Gemüse). Im Hof haben zwei Rabenvögel ihr Revier. Sie sind sehr zutraulich und warten auf jeden Teller, der auf die Tische gestellt wird. Wenn "die Luft rein ist", schnappen sie sich auch schon mal eine Kleinigkeit, oder sie warten höflich, bis ihnen jemand freiwillig etwas hinwirft. Wir können auch jede Menge Rotkehlchen (Robins) sehen, offenbar so was wie ein Wappentier für die Irländer.

 

Anschließend sehen wir uns den Muckross Garden an. Herrliche Bäume auf herrlichem Rasen, Sträucher, und überall Rhododendron-Büsche und Azaleen in voller Blütenpracht, ein kleiner Bach ist auch in den Garten arrangiert. Eine große Wiese endet am See, neben dem See beginnt ein Wald. Ich kann mich gar nicht satt sehen an den schönen Arrangements und muß an DonLeo denken, dessen Gärtnerherz sicher höher schlagen würde (vielleicht würde er es aber auch zu englisch gepflegt finden).

 

Auf dem Rückweg sehen wir, wie sich nicht nur Vögel, sondern auch eine Ratte an den Pferdeäpfeln gütlich tut! Lecker, lecker ... Vor uns flieht sie aber in der ihr eigenen Geschwindigleit.

 

Leo ruft wieder an, sie sind an dem Tag in Tralee. Schade, daß wir das nicht eher wußten (sie haben es aber auch erst spontan am Morgen beschlossen), denn sonst hätten wir uns dort treffen können.

 

Wir fahren dann zum Parkplatz am Torc Wasserfall und laufen hinauf. An dem warmen Tag sitzen einige junge Leute auf Steinen im Wasser unterhalb des Wasserfalls und ruhen sich aus. Jochen tut das auch, bei der Rückkehr allerdings rutscht er auf dem glitschigen Stein aus und fällt ins Wasser. Er erinnert mich an eine Katze, die ins Wasser fällt. Man kann gar nicht so schnell sehen, wie die wieder raus ist aus dem Wasser, wenn sie ins ungeliebte Naß fällt. Groß ist der Schaden nicht, ein Schuh und die Hosenbeine sind naß....

 

Wir fahren dann auf einen weiteren Parkplatz, von wo aus wir zur Old Wire Bridge (uralt) und zu einer Stelle, die sich Meeting of the Waters nannte, wandern wollen. Auf dem Parkplatz ist ein Schild aufgestellt, das vor Autodieben warnt. In der Tat ist das eine sehr günstige Stelle für Leute mit schlechten Absichten.

Die Brücke finden wir, die Stelle, wo sich die Wasser treffen, nicht. Wir sind sicher da, aber erkennen sie nicht als solche.

Der Rückweg fällt mir schon langsam schwer, ich lechze nach etwas zu Trinken und danach, in Ruhe irgendwo zu sitzen. So fahren wir noch etwas weiter zum Parkplatz an "Ladies View", einem schönen Aussichtspunkt. Dort haben findige Leute einen Craft Shop und ein Café gebaut, und so kommen wir endlich zu unserem Tee und Apple Pie. Gerade noch rechtzeitig, denn bald beginnt man schon die Jalousien nach unten zu lassen, so daß uns der schöne Blick verwehrt wird, und das Reinigungsgeschwader rückt an. Wir fühlen uns vertrieben!

 

 

Mittwoch, 26. Mai 1999

 

Mein Chef hat Geburtstag, und ich beschließe, ihn anzurufen. Und zwar gegen 8.00 Uhr zu deutscher Zeit, weil da die Leute in der Regel zum Morgenkaffee zusammensitzen. Das heißt für mich, schon 7.00 Uhr anzurufen. Noch im Bett liegend sozusagen.

 

Beim Frühstück hören wir ein nervtötendes und bekanntes Geräusch, einen Rasenmäher-Traktor. Der schönen Butter- und Gänseblümchenwiese wird der Garaus gemacht. Schnell mache ich noch ein Foto von der blumenübersäten Wiese, bevor auch sie schmucklos und kahlgeschoren vor uns liegen wird.

Wir beschließen, noch einmal die Halbinsel Dingle zu besuchen, aber diesmal auf einer anderen Route, nämlich über Inch und dann immer einer Führung entlang, die sich Slea Head Drive nennt.

In Inch ist ein schöner Sandstrand, es ist Ebbe. Wir machen einen Strandspaziergang und finden eine tote Robbe, die schon etwas länger tot, aber noch deutlich zu erkennen ist. Jochen hält gebührenden Abstand. Und wir lachen, als wir sehen, daß das nachfolgende Paar in noch weiterem Abstand einen Blick riskiert.


Am Strand gibt es auch einen Craft-Shop wie überall, wo Touristen zu erwarten sind. Und an dieser Stelle halten viele Reisebusse, weil es eine wirklich sehr schöne Stelle mit einem wunderschönen Blick ist (später können wir diese Stelle noch von einer anderen Seite betrachten, nämlich, als wir noch einmal ein Stück auf dem Ring of Kerry fahren ).

Neben dem Craft-Shop, in dem wir einen sehr schönen Kalender fürs Jahr 2000 kaufen, gibt es noch ein kleines Restaurant, in dem u.a. Kaffee und Tee angeboten werden (inclusive Atlantikblick). Hier trinke ich einen Pott Kaffee, der nicht sonderlich schmeckt, Jochen bleibt bei Tee und Apple Pie.

Dann fahren wir weiter an den "Roten Klippen" vorbei in den Ort Dingle. Mit Hildi und Wolfgang hatten wir da ja nur eine kurze Stippvisite gemacht. Diesmal wollen wir uns etwas mehr umsehen. Das erste, was Jochen entdeckt, ist das "Dingle Web", ein Internet-Cafe. Da kann ich natürlich nicht widerstehen *süchtig* und miete für eine halbe Stunde (3 Pfund = 7,25 DM) einen PC, während Jochen sich etwas in der Straße umschaut. Ich freue mich, daß ich vorher so gescheit war, meinen fleißigsten Mailer zu bitten, Kopien eventueller Mails auch auf Hotmail zu geben (eine www-E-Mail-Adresse, die man von jedem PC der Welt aus aufrufen kann). Und der fleißige Mailer hat seinem Ruf alle Ehre gemacht, ich finde mehrere Mails vor und freue mich unheimlich. Natürlich nutze ich die Zeit, um selbst auch schnell ein paar Mailgrüße zu schicken. Und ich bin froh, daß Irland auch in dieser Beziehung absolut up to date ist.

Danach bummeln wir durch den Ort, finden eine Post, um Briefmarken zu kaufen. Denn anders als in Deutschland oder Dänemark kann man die nicht zusammen mit Postkarten kaufen.

 

Zum Mittagessen im "Armada"  probiert Jochen wieder einmal Irish Stew, ich esse Lachs, beides ist gut.

 

Danach setzen wir unsere Fahrt auf dem Slea Head Drive entlang der Küste  bis zum angeblich westlichsten Punkt Europas (Slea Head) fort und weiter dann wieder in Richtung Dingle und nach Hause. Unterwegs halten wir öfter, um die Aussichten auf Atlantik, die Klippen, die vorgelagerten Blasket-Inseln, aber auch ins Land, zu genießen oder eine prähistorische Stelle mit vielen Steinhütten, sogenannten "Bienenhäusern", und Steinwällen anzusehen. Wir kommen auch an der Stelle vorbei, an der der Film "Ryans Tochter" gedreht wurde, fast schon ein Wallfahrtsort für die Iren.... An einer Stelle riecht es ganz betörend. Es ist der massenhaft wachsende Klee, der so duftet.

 

Zu Hause gibts dann Spaghetti Bolognese, für die Sauce haben wir Rinderhack eingekauft, sogenanntes minced beef.

 

Das irische Mobilfunknetz  (manchmal Eirecell, manchmal Digifone) ist an dem Tag wohl außer Gefecht, denn wir können weder mit Hildi noch mit Leo telefonieren (und sie auch nicht mit uns), so daß wir über SMS kommunizieren. Die funktionieren erstaunlicherweise.

 


Donnerstag, 27. Mai 1999

 

Das Wetter ist günstig (nur am Nachmittag etwas bedeckt, ansonsten sonnig). Wir beschließen, heute zum Gap of Dunloe zu fahren. Das ist eine sehr schöne Schlucht, durch die sich eine mir endlos scheinende Straße windet. Zur Rechten die Macgillycuddy's Reeks, zur Linken die Purple Mountains.

25 Minuten brauchen wir bis zum Startpunkt, an dem sich die Kate Kearney's Cottage befindet (Craftshop und Restaurant). Dort warten auch schon wieder die Jaunting Cars auf Kundschaft. Einer will uns schon vorher abfangen und erzählt uns, die Straße, auf der wir fahren, wäre zu Ende.... Wir gehen ihm nicht auf den Leim, sondern fahren weiter bis zum Startpunkt.

 

Der Weg durch das Gap of Dunloe läuft sich nicht so angenehm, weil er sehr hart ist, denn er wird auch von den Pferdekarren (für die faulen Touristen) benutzt, sogar von Autos (meist Engländer), auch von Radlern und Reitern. Anfangs gefällt es mir sehr gut, aber dann glaube ich, der Weg nimmt nie ein Ende, so weit sieht man den Weg sich schlängeln (und wir müssen das ja alles wieder zurück!). Wir kommen auch an Seen entlang, an denen sich Angler tummeln. Endlich sieht man den Endpunkt, an dem die meisten Touristen stehen, sich ausruhen und meist auch wieder umkehren (man kann, wenn man will, auch weiter bis an einen See bei Killarney laufen). Wir kehren nach kurzer Rast ebenfalls um, denn wir müssen ja zum Auto zurück (wie schwer das Aufstehen fällt!!!!). Auf dem Rückweg kehren wir in Colleen Bawn's Cottage ein. Deren Existenz verleiht mir Flügel beim langen Weg zurück, denn es werden da coffee, tea and scones feilgeboten. Auf dem Hinweg war noch "closed", und nun hoffen wir inständig, inzwischen würde "open" angezeigt. So ist es, gottlob!!. Die Frau hat in einem Zimmer ihres Häuschens drei Tische aufgestellt und eingedeckt und verkauft Kaffee, Tee und die kleinen süßen Brötchen (scones) mit Butter und Jam. Die scones bäckt sie extra noch mal auf, sie sind ein Hochgenuß!! Und der Tee weckt alle meine Lebensgeister wieder, die sich schon ziemlich verzogen hatten. Es tut auch ungeheuer gut, mal eine Weile die lahmen Füße zu entlasten.

Den Rest des Weges laufen wir dann mit einem französischen Schüler, der sich von seiner Gruppe abgesondert hatte und vor sich hin raucht (etwas, was wir eigentlich sehr selten sehen). Er sag mir, er könne nur einen deutschen Satz sagen: "Ich liebe Dich" *gg*. Außerdem, daß er Volkswagen liebt und offenbar als einzigen prominenten Deutschen in der Geschichte Hitler kennt. Die Schülergruppe macht eine einwöchige Busreise über London und Wales nach Irland, am nächsten Tag ist die Reise zu Ende. Der Bus der Schülergruppe steht auch auf unserem Parkplatz.

Auf dem Parkplatz versuche ich noch einmal, Leo anzurufen, denn er hatte SMS geschickt, wir sollen uns melden, bei uns sei immer besetzt (ist es aber nicht, das ist das nicht funktionierende Netz). Nach einigen Versuchen habe ich dann Erfolg. Er befindet sich gerade auf einem Boot im Atlantik und wartet auf Delphine!

 


Wir fahren danach nach Killorglin, sehen uns die Kirche dort an und laufen noch etwas die Hauptstraße entlang, holen schon wieder Geld am Automaten und kaufen Lebensmittel ein. Ich bin total knülle und habe nur noch einen Wunsch: nach Hause!!

Diesmal sind wir recht zeitig zu Hause, gegen halb 5. Jochen geht deshalb noch einmal los, die nähere Umgebung zu erkunden, während ich die Zeit nutze, meine Notizen zu machen, Telefonate zu führen und zu lesen.

 

 

 

Freitag, 28. Mai 1999

 

Es ist so unirisch, das Wetter! Wieder Sonnenschein am Vormittag, nachmittags ist es zwar bedeckt, aber warm.

Wir beschließen, am Vormittag nach Killarney zu fahren und am Nachmittag zu einem Wald, den wir auf der Fahrt nach Tralee gesehen hatten.

 

In Killarney, das etwa 9.000 Einwohner hat, aber die Straßen gestopft voller Menschen, machen wir einen Bummel. Im Touristenzentrum entdeckt Jochen einen Zettel mit der Adresse des Internetcafes, das sie auch hier haben. Dort halte ich mich natürlich auch wieder kurz auf (eine halbe Stunde, wie gehabt), um Mails zu lesen (dank des fleißigen Mailers!!) und zu schreiben. 

Wir sehen uns auch die Kathedrale an und rätseln, wieso sie so "neu" aussieht, aber in einem alten Baustil erbaut ist. Später lesen wir, daß sie im 19. Jahrhundert erbaut, aber in den 70er Jahren unseres Jahrhunderts völlig neu restauriert wurde.

Die kleine Stadt wimmelt nur so von Pubs, Inns, Bars und anderen Lokalitäten. In einer Bar essen wir einen guten Lammbraten. Ich schaffe die Fleischmenge nicht. Jochen, der Fleischfetichist,  ißt auch das noch mit. Zu dem Braten gibt es übrigens Minzsauce, die mir sehr gut schmeckt.

 

Am Nachmittag fahren wir in Richtung Tralee. Dort finden wir den Parkplatz an einem Nadelwald (Ballygamboon Wood), der zu einem Projekt der Europäischen Union gehört. Immerhin ist es der erste Nadelwald, den wir sehen. Wir laufen bis zum Aussichtspunkt in 426 m Höhe, also ein gelinder Anstieg. Hin- und Rückweg dauern zusammen nur etwas mehr als eine Stunde. Es gibt einen schönen Ausblick aufs Land, aber etwas Besonderes ist es nicht, finden wir. Der Wald sieht etwas ungepflegt aus, hat aber einen schönen Bach und eine Quelle.

 

Auf dem Rückweg machen wir Halt in Milltown zum kurzen Einkauf und zum Teetrinken in einem Pub. Zum Tee wünschen wir Apple Tart (Apple Pie in Tortenform) und Sahne (creme). Der Wirt hat Jochen wohl nicht recht verstanden und bringt die creme (statt der sonst üblichen Milch) für den Tee, aber Apple Tart gar nicht. Ich spreche ihn deshalb noch einmal an, und er entschuldigt sich so oft, daß es mir schon richtig peinlich wird, bringt natürlich  das Gewünschte.

In dem Pub gibt es den gewaltigsten und tollsten Fernsehapparat, den ich je gesehen habe. Riesengroß und tolle Farben!

Am Tresen sitzen ein paar Männer und trinken meist schweigend ihr Feierabendbier. Später kommt eine junge Frau und übernimmt den Tresen und die Bedienung.

Ihre kleine Tochter sitzt derweil im Pub, ißt irgendeinen Brei und schaut dabei hingerissen in den Fernseher. Später gesellt sich ihr älterer Bruder dazu.

 

Nach dem Abendessen zu Hause fahren wir noch einmal weg und suchen die Flußmündung, die wir von der Anhöhe unseres Geländes sehen können. Wir kommen jedoch nur an eine Stelle des Flusses, an der die Straße endet, die Mündung ist es aber nicht. Wir fahren noch ein wenig da herum, enge Straßen zu völlig abgelegenen Gehöften. Einmal muß ich rückwärts bis zu einer Ausweichstelle (Ausfahrt eines Gehöftes) fahren, weil ein entgegenkommender Traktor sonst nicht passieren kann. Ich glaube, der Traktorfahrer ist recht ungehalten über diese Störung, sehr ungewöhnlich für einen Iren, der in der Regel die Gelassenheit in Person ist. Am Ende erreichen wir wieder eine Straße, die im Nichts endet, und ich habe zu tun, da zu wenden. Das gelingt nur mit Jochens Einweisung an einer Stelle mit Tor, das zu einer Weide gehörte. Gerade in dem Moment ruft Sebastian an, und ich merke, daß ich schon recht ausgeruht bin, weil mich das in dem Moment nicht mal aus der Fassung bringt.

 

Abends telefoniere ich noch einmal mit Leo, es ist sein letzter Tag. Am nächsten Abend gegen 20 Uhr geht sein Flieger.

 

 

Samstag, 29. Mai 1999

 

Beim Frühstück ruft Sebastian an und bittet um Auskunft über das farbliche Sortieren der Wäsche für die Waschmaschine. Seine Klamotten sind ihm heilig! Dafür wirft er sogar die Maschine an.

Wir beschließen, den Ring of Beara anzusehen bzw. abzufahren. Über Killarney fahren wir zuerst nach Kenmare. Dort machen wir einen kleinen Bummel und versorgen das Auto mit Benzin. Dann fahren wir den Ring of Beara entlang der Küste. Manchmal ist die Straße wieder so eng, daß wir annehmen, uns verfahren zu haben, aber es stimmt alles. Unser nächstes Ziel ist Eyeries, von dessen bunten Häuschen mir Leo erzählt hatte. Die Häuser sind wirklich extrem bunt, aber lustig. Ein etwas größeres Haus ist zweifarbig. Die eine Hälfte ist lila gestrichen, sogar der Schornstein, die andere Hälfte gelb (der Schornstein nicht). Der Ort ist sehr klein, aber er hat eine ganz kräftig blau gestrichene öffentliche Toilette. Eine große Kirche gibts auch, ebenso Pubs, aber nichts, wo man essen kann, wie wir eigentlich vorhaben.

Als wir uns die schöne Landschaft um Eyeries ansehen, kommt ein wohlgenährter Hund mit Stöckchen im Maul an. Er ist zutraulich wie wohl alle irischen Hunde und legt sein Stöckchen artig vor mir auf die Erde. Er hat offenbar Lust zu spielen. Ich tue ihm den Gefallen und werfe das Stöckchen viele Male, woraufhin er sogleich los saust und das Stück Holz zurück bringt. Meine Lust zu dem Spielchen erlahmt allerdings eher als seine.

Wir fahren dann weiter und landen in Allihies (da gibt es auch viele farbenfrohe Häuser). Dort essen wir zu Mittag. Jochen bestellt wohlklingende spare ribs, die aber ein totaler Reinfall sind, weil es eigentlich nur gut gebratene Knochen sind. Meine Lasagne allerdings ist gut und reichlich (weil sie aus unerklärlichen Gründen immer noch pommes frittes dazu reichen).

Wir fahren weiter bis zum äußersten Ende der Halbinsel Beara in Richtung Dursey Land (das ist eine Insel, die noch vorgelagert ist). Man kann mit einer Art Seilbahn (Cable Car) zur Insel Dursey übersetzen, was wir aber nicht machen. Die Insel ist bewohnt, man kann eine Straße und Autos sehen.

Wir fahren also den Abstecher, der zur Seilbahn führt, wieder zurück und weiter auf dem Ring nach Castletown Bearhaven. Dort gibt es einen Hafen. Wir sehen das erste Mal Möwen, aber sie veranstalten erstaunlicherweise nicht im Entferntesten das gewohnte Möwengekreisch. Überhaupt gibt es an den vielen Seen überhaupt kein Wassergeflügel. Ist das Wasser zu kalt, bietet es zu wenig Nahrung, weil es so tief ist?

Uns fällt auch auf, daß es nirgendwo Kioske wie in Deutschland gibt. Ich meine, Döner- und sonstige Freßbuden. Auch mit der Reklame ist man recht zurückhaltend. Nur für Guiness wird immer fleißig geworben, und das mit manchmal richtig schönen Schildern und witzigen Sprüchen.

Des weiteren findet man meist kostenlose Parkplätze. Allerdings ist das in der Vorsaison. Ich denke, in der Haupt-Touristenzeit sieht das etwas anders aus.

 

Der Weg führt uns dann weiter nach Glenngarripp, u.a. durch einige kleine Tunnels. Der eine ist richtig in den Fels getrieben. Die Abfahrt bei Adrigole zu einem Wasserfall haben wir verpaßt.

In Glenngarripp machen wir Rast in einem richtigen Restaurant mit gedeckten Tischen und Kerzen auf dem Tisch. Während es mich nach Kaffee (nicht gut) und Apple Pie (sehr gut!) gelüstet, kann Jochen schon wieder nicht einem Irish Stew widerstehen. Das ist zwar eine erstaunliche Zusammenstellung, aber jeder soll das haben, was er möchte.

Das Essen wird begleitet von einer wunderschönen Musik, die mir richtig Gänsehaut verursacht. Ich muß den Wirt einfach fragen, was das für eine Musik ist und mir das Cover der CD zeigen lassen. Sie heißt "Vision of Ireland", und ich habe sie natürlich später gekauft.

 

Auf dem Heimweg fallen dann ein paar Tropfen, aber wir sind ja sicher im Auto.

 

An diesem Tag begegnen uns übrigens sehr viele Schafe auf den Straßen. Die Fahrt ist wieder ausgesprochen kurvenreich und die Straßen z.T. sehr eng, aber ich gewöhne mich von Tag zu Tag besser daran und fahre schon sehr zügig, fast wie ein Einheimischer. 

 

Zu Hause bemerken wir, daß in einigen Häusern offenbar neue Gäste eingezogen sind. Die zwei Häuser gegenüber wurden von zwei befreundeten Familien gemietet. Sie haben das gleiche Auto (irgend so einen großen Van). Das brauchen sie aber auch, denn zu jeder Familie gehören zwei Kinder und zwei große Hunde. Später stellt sich heraus, daß die eine Familie sogar drei Kinder hat, nämlich noch  ein Baby. Die größeren Jungs spielen Fußball, und der Ball saust an  eine Scheibe! Gottlob, sie hält das aus!

Auf dem Golfplatz ist es, wie schon bei unserer Ankunft am vorigen Samstag, unheimlich voll, d.h. sehr viele Autos.

Es riecht oder besser stinkt nach Kuhstall. Da erst sehen wir, daß ein Stück weg von unserem Gelände offenbar einer ist, und wahrscheinlich steht der Wind einfach ungünstig.

 

"Unser" schwarzer Hund läßt sich auch nicht mehr sehen. Jochen ist beleidigt! Ich bedauere es auch.

 

Abends gibt es einen phantastischen Abendhimmel. Und als ich nachts halb 2 aufwache, ist der Himmel fast vollkommen klar (sonst gibt es immer Wolken), die Sterne funkeln, alles ist total von Mondlicht überflutet. Es ist wohl Vollmond. Und die Häschen hoppeln auf der Wiese umher!

Am nächsten Morgen sieht Jochen den Mond als große gelbe Scheibe untergehen, als er vor mir aufsteht. Leider weckte er mich nicht, ich hätte es auch gern gesehen!!

 

 

Sonntag, 30. Mai 1999

 

Wir stehen schon eine Stunde eher als sonst auf, weil wir eine lange Fahrt vor uns haben, ca. 200 km eine Tour. Wir wollen zu den Cliffs of Moher im Co. Clare. 8.10 Uhr fahren wir los. Der Weg führt uns in Richtung Shannon, weiter über Ennis bis an die Cliffs.

Die sind 200 m hoch und unheimlich beeindruckend. Die wirkliche großartige Höhe der Cliffs kann man erst würdigen, wenn man die Proportionen zwischen den winzigen Menschen und der unendlichen senkrecht abfallenden Linie der Cliffs sieht. Auf einer Plattform sehen wir Leute, die sich am Rand hingelegt haben und nur so in die Tiefe sehen können.

Wir laufen ein langes Stück in Richtung Süden an den Cliffs entlang. An einer Stelle erstarrt Jochen richtig in Ehrfurcht wegen einer Kuh, die offenbar direkt am Abgrund gestanden haben muß. Denn genau da befindet sich ein großer Fladen Kuhsch....

Wir sehen uns noch den O'Brien Tower an und haben dann Appetit auf eine Tasse Tee. An einem Stand kaufe ich die wunderbare CD "Vision of Ireland" und bin richtig happy.

 

Wir fahren wieder zurück nach Ennis. Wir wollen uns mal ansehen, in welcher Stadt Hildi und Wolfgang 5 Tage heimisch waren. Mit Mühe und Not finden wir den allerletzten noch freien Parkplatz, welch ein Glück! Überall sind eine Unmenge Leute, es sieht aus, als ist das nicht normal. In einem Pub essen wir schnell etwas zu Mittag. Jochen bekommt eine unvorstellbar große Portion Rosted beef, ich eine panierte Hühnerbrust. Dazu jeweils Gemüse und den schon bekannten Mash.

Dann machen wir uns auf zu dem, wie wir feststellen, drei Tage andauerndem Fest "Fleadh Nua '99", offenbar einem Musikfest. Wir kommen gerade zurecht, um einen Umzug zu sehen mit LKWs, Pferdekutschen, Pferden, Eseln, Spielmannszügen, Schülern (in Kostümen), Dudelsackpfeifern, irischer Volksmusik....usw.

Dann kommt eine Truppe von Musikanten, angeführt von einem Stelzenläufer im Zauberer-Kostüm. Die gehen geradewegs auf die große mitten auf dem Platz aufgestellte Trommel zu, die einen Durchmesser von 4 - 5 m hat. Dort wird ein schöner, aber nicht mehr ganz junger Mann, dessen nackter Oberkörper mit Goldbronze angemalt ist (auch seine Haarmähne hatte Farbe abbekommen) auf die Trommel gelegt. Dann wird die Trommel senkrecht gedreht, so daß der Mann sozusagen an der Trommel "klebt". Regungslos. Der Stelzenläufer kitzelt ihn mit einem Trommelstock unter den Armen und erweckt ihn zum Leben, bringt ihm bei, die Trommel zu schlagen. Die anderen Musikanten stimmen ein. Zuletzt schlägt er mit superdicken Hölzern die Riesentrommel, die Musiker schaukeln sich gegenseitig hoch, es ist einfach große Klasse. Zum Abschluß gibts noch einen Riesenknallbonbon, der lauter Konfetti unter die Leute streut.

Auf einer Bühne spielen dann verschiedene Musikformationen irische Volksmusik. Es ist eine tolle Stimmung! Wir laufen noch ein wenig durch die Stadt, die uns überaus gefällt. Wir stellen fest, daß sogar das Kaufhaus, obwohl Sonntag ist, auf hat. Später sehen wir, daß Kaufhäuser in Irland offenbar grundsätzlich 7 Tage in der Woche geöffnet haben. Das würde uns in Deutschland auch sehr gefallen. Trotz des Festes gibt es aber keinerlei Buden für Essen oder Getränke, bei uns würde sich da eine Bude an der anderen drängen!

 

Gegen 17 Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Uns fallen jede Menge überfahrener Vögel auf, was wir auch an anderen Tagen sehen können. Die halten sich aber auch wirklich hartnäckig immer am Straßenrand auf und suchen nach wer weiß was an den stark befahrenen Straßen.

Unterwegs wollen wir in einem Pub Tee trinken und Apple Pie dazu essen. Tee hätte es ja gegeben, aber nicht den Kuchen, und da verzichtet Jochen lieber. So fahren wir weiter und sind gegen halb 8 wieder zu Hause, nachdem ich mich in Limerick einmal verfahren habe.

 

Leo hat eine SMS geschickt, ist also gut wieder zu Hause angekommen und wünscht uns (sicher ein wenig neidisch) noch einen schönen weiteren Aufenthalt in seinem Lieblingsland.

 

 

Montag, 31. Mai 1999

 

Seit einiger Zeit ißt Jochen morgens immer ein "englisches" Frühstück. Er brät sich dauernd Eier auf Schinken und solche komischen nach nichts schmeckenden Würstchen - sausages - dazu. Das ist nicht mein Fall, eigentlich mag ich's nicht mal riechen, aber ich weiß ja um seine Vorlieben.

An dem Morgen läßt sich unser Hund wieder einmal sehen. Zuvor peilte er aber erst einmal die Lage, ob evtl. die englische Hunde aus den beiden anderen Häusern schon wach sind. Nichts zu sehen, und so vertreibt er sich die Langeweile bei uns. Jochen gibt ihm die restliche Knoblauchsalami, die ihm ohnehin nicht schmeckt. Der Hund verspeiste sie aber sehr genußvoll. Dann legt er sich wieder auf unsere Terrasse, die Ohren aber fein in Richtung der Hundefreunde gerichtet. Sofort bekommt er mit, als diese aus dem Haus gelassen werden und stürmt freudig zu seinen Spielgefährten. Es ist lustig, wie die vielen Hunde sich beschnuppern und miteinander tollen. Einer der Hunde setzt einen Haufen auf die Wiese, "unser" Hund beschnuppert das Prachtstück und markiert es dann mit einem Strahl....

 

Wir fahren heute nach Tralee, haben einen Stadtbummel vor. Wieder ist es entsetzlich voll, aber wir finden einen Parkplatz. Etwas unsicher bin ich, ob wir da parken dürfen, weil ich einen Polizisten mit Block und prüfendem Blick sehe. Ich sehe zwar, daß wir vor irgendeiner öffentlichen Einrichtung parken und die Autos neben uns alle eine Art Plakette im Auto liegen haben, aber wir beschließen, trotzdem da zu parken. Sollte es ein "Knöllchen" geben, machen wir es halt einfach wie Leo: ignorieren und wegwerfen.

Aus dem gemütlichen Stadtbummel wird vorerst nichts. Jochen hat zu viel Tee intus und braucht dringend eine Toilette... (Wem nie die Blase drückte, weiß nicht, was Nöte sind!) ..aber so etwas ist einfach nicht zu finden, so geht er in einem Restaurant im Kaufhaus. Heute kaufen wir Mitbringsel für die Kinder und andere Dinge. Als wir die Einkäufe zum Auto bringen, finden wir das Knöllchen! Immerhin aber eine nette Geste, daß sie uns zur Zahlung von nur 0,00 £ auffordern. Dazu ist ausführlich beschrieben, wann und wo und auf welche Weise man seine Schuld loswerden kann. Jetzt sind wir zumindest moralisch verpflichtet, das Auto woanders hinzustellen, denn die Politessen sind in Tralee besonders stark vertreten. Wir fahren also auf einen Parkplatz gleich nebenan und ziehen einen Parkschein.

Nach dem Mittagessen in der gemütlichen Bar "Town and Countries" fahren wir an den langen Sandstrand an der Brandon Bay auf der Halbinsel Dingle. Auf der Fahrt dahin tanke ich, und beinahe fülle ich das falsche Benzin ein. Der Autovermieter hatte "Super" gesagt, aber hier heißt es meist nicht so, sondern Unleaded 95 oder 98. Und das Super, das ich da einfüllen wollte, ist verbleit. Ein Tankwart macht mich auf meinen Fehler aufmerksam und übernimmt auch gleich, wie sonst immer, wenn ich getankt hatte, die Tankpistole. Vor dem ersten Tanken hatte ich übrigens vergeblich den Hebel gesucht, mit dem ich die Klappe über dem Tankverschluß öffnen kann. Ich mußte erst in den Unterlagen zum Toyota nachsehen, der Hebel befindet sich rechts unten am Fahrersitz (eigentlich logisch, oder?).

Am Strand sind nur wenige Leute, dabei ist fast ideales Wetter. Zwei Mutige (Frauen übrigens!!) baden sogar mit großer Wonne. Das Wasser faßt sich auch recht warm an. Jochen würde gern ins Wasser gehen, er ist da nicht zimperlich, aber ganz ohne eine Möglichkeit sich abzutrocknen hat er doch keine Lust.

Der Sandstreifen ist recht breit, offenbar ist die Flut gerade dabei den Strand zu erobern. Aber noch liegen weite Teil frei. An einer Stelle liegt unheimlich viel Tang, und darin haben sich hunderte von Krabben verfangen, die nicht mit dem Wasser zurück konnten und so ihr Leben ließen. Ich habe keine Lust, ständig darauf zu achten, daß ich ja nicht auf so ein Tierchen trete und mache deshalb einen großen Bogen.

Die Weiden reichen hier bis an den Strand, und so haben die Kühe auch ihren Seeblick, kommen bis an den Strand.

Der Sand ist fest und hart, wie wir das auch aus Dänemark kennen, und so verwundert es uns nicht, als wir sehen, daß da auch Autos und Fahrräder fahren.

Auch hier sehen wir nur eine einzige Möwe, noch dazu völlig lautlos.

 

Auf dem Rückweg trinken wir vor einer Bar, die sich in einem wunderschönen ganz gelben Haus befindet, einen Tee. Beinahe hätte mich dieser Wunsch auch noch das Leben gekostet, denn ich laufe vom Parkplatz aus in alter Manier über die Straße, schaue also nicht nach rechts, sondern links. Was ich als Autofahrer langsam im Blut habe, versagt dann bei mir als Fußgänger. Nur durch einen Sprung kann ich mich vor einem Auto retten. Junge, Junge...das war knapp!!!

 

Auf der Fahrt nach Hause geraten wir in den ersten irischen Stau. 2 langsame Baufahrzeuge tuckern vor uns her, und kaum einer kann überholen, da ständig Gegenverkehr ist. Zum Glück biegen die Fahrzeuge aber ab, und wir haben freie Fahrt.

 

Zu Hause stellen wir fest, daß die Wiese vorm Haus wieder voller Wiesenblumen ist, die Natur hat sich wieder ihren Weg gebahnt.

 

 

 

Dienstag, 1. Juni 1999

 

Heute fahren wir noch einmal nach Killarney. Wir wollen zum Knockreer House und Garden, einem kleineren Herrensitz oder wie man das bezeichnen würde. Von da aus wandern wir (wieder im Wettlauf mit den Pferdekutschen) über den Denagh River zum Ross Castle und Ross Island. Den Rückweg wählen wir entlang des Denagh River.

Im "Dannys Man" will Jochen schon wieder mal Irish Stew essen (ich kann es bald nicht mehr sehen). Die Getränke sind schon gebracht, als die Kellnerin uns mitteilt, daß es noch kein Irish Stew gibt, erst in einer Stunde. So lange haben wir keine Lust zu warten. Während wir nun wenigstens unsere Getränke zu uns nehmen, können wir im Fernsehen (ein Fernseher gehört in jeden Pub!) die irische Steptanzgruppe "Lord of the dance" sehen, die ich unheimlich mag.

Wir essen dann im "Skelling Islands Inn" und sind außerordentlich zufrieden über diese Wahl. Hätte Jochen Punkte zu vergeben gehabt, so hätte dieses Lokal die meisten von ihm bekommen (für das Irish Stew natürlich). Auch mein Chicken-Curry mit Reis ist ausgezeichnet. Es hat außerdem den Vorzug, so billig wie nirgendwo zu sein, nur je 4 £ jeweils. So geben wir beim Bezahlen (wie üblich erfolgt das an der Theke) reichlich Trinkgeld in eine dort aufgestellte Flasche mit der Aufschrift "Chefs holiday fund"... eine prima Idee, sich seine Urlaubskasse aufzubessern.

 

Es wird nun doch recht kühl, und so holen wir die Jacken aus dem Auto, bevor wir weiter Killarney durchstreifen (und ich noch mal im Internetcafce vorbeischaue). Unseren Tee nehmen wir im "Knockreer Cottage Inn", einem Häuschen, das Jochen außerordentlich gefällt und in dem er sehr gern wohnen würde. Es ist klein und hat ein Reed-Dach, an der Seite ragen 3 Schornsteine (Kamin) nach oben. Es sieht wirklich idyllisch aus, umgeben von vielen Sträuchern und hohen Bäumen, und man hat einen guten Blick auf die Kathedrale. Wenig stilgerecht sind allerdings die Tische mit Wachstuch bedeckt. Ich probiere etwas, was nicht ausgeschildert ist. Vorher erkundige ich mich, was darin ist. Es ist eine Art Müsli mit Äpfeln, Rosinen und Crumbles (das ist so was süßes und Knackiges, gibt’s auch oft im Joghurt), alles zusammen warm gemacht. Man kann, wenn man will, auch creme dazu essen. Es schmeckt ganz ausgezeichnet.

 

Auf der Post müssen wir in einer Schlange stehen, auch wenn wir nur Briefmarken wollen. Es gibt 7 Schalter, und über einen Lautsprecher wird angesagt, an welchen Schalter der jeweils nächste kommen soll. Es dauert nicht sehr lange, bis ich dran bin. Ich hatte eine große Panorama-Ansichtskarte gekauft und bin erstaunt, daß sowohl die Karte als auch die Briefmarke genau so viel kosten wie eine normale Karte. Das wäre in Deutschland unmöglich!

 

Zuletzt fahren wir noch einmal in den Supermarkt nach Killorglin und finden dort endlich ungesalzene Butter!! (Bisher nur gesalzene Butter mit 2 % Salz, eklig! - Vielleicht hatten wir auch nie richtig danach geschaut.)

Als ich nur 100 g Rinderhack kaufen möchte, versteht mich der Verkäufer einfach nicht. Er schaut mich ganz erstaunt an und packt eine Riesenmenge auf die Waage, so daß ich ihn bremsen muß. Offenbar ist mein Englisch doch zu mies oder er kann mit der Maßeinheit Gramm nichts anfangen. Erst seine Kollegin versteht mich, obwohl ich nichts anderes zu ihr sage.

Als wir die Einkäufe zum Auto bringen, steht ein Leichenwagen auf dem Parkplatz, der Sargdeckel liegt hinten sichtbar drin, und ich frage mich, ob sie wohl den Sarg ohne Deckel über den halben Parkplatz zum Auto tragen? Am Auto steht ganz groß der Firmenname und die Bezeichnung "Undertaker" (Leichenbestatter).

 

Wenn wir beim Autofahren das Radio anhaben und es gibt auf einmal komische rhythmische Geräusche im Lautsprecher, kann ich drauf warten, daß das Handy piept oder klingelt, so sehr machen sich die Funkwellen bemerkbar.

 

 

 

Mittwoch, 2. Juni 1999

 

Heute fahren wir noch einmal auf die Halbinsel Dingle. Diesmal aber nicht die Touristenstrecke Slea Head Drive entlang, sondern einfach mal andere Wege. Jochen möchte noch einmal an die eine Stelle, von der aus man so einen schönen Blick auf den Atlantik und auf die Basket Islands hat. Wir sind dann ganze Strecken lang allein auf der Straße. Sehr beeindruckend ist es, als wir eine Straße entlang fahren, die geradewegs zu einem Berg (Brandon) zu führen scheint. Aber direkt auf den Berg möchte ich dann nicht, die Straßen sind schon wieder beängstigend schmal, zum Glück kommt kein Gegenverkehr! Wir finden eine stille Bucht, von der aus auch Fischerboote aufs Wasser fahren, und auf einer Wiese haben es sich Leute mit einem Wohnmobil bequem gemacht. Wir treffen auch wieder mal Möwen, aber wie schon gehabt, nicht etwa am Wasser, sondern auf der Wiese! Auf einer Wiese steht ein einsamer Esel, auf dessen Rücken es sich zwei Vögel bequem gemacht haben. Es sieht aus, als würde sie ihm das Ungeziefer aus dem Fell picken, vielleicht ist das auch so.

Irgendwann kommen wir dann doch wieder auf den Slea Head Drive, weil der eben an der Stelle vorbeiführt, an die wir wollen. Allerdings fahren wir ihn jetzt in der entgegengesetzten Richtung, das zeigt sich schon daran, daß wir ständigen Gegenverkehr haben. Wir halten unterwegs in Baile an Fheirtearaigh. Wie dieser Name schon ahnen läßt, ist das der gälische Name für den Ort. Hier sehen wir uns die Kirche an und stören dabei wohl einen jungen Mann, der gerade Andacht hält, denn er verläßt gleich die Kirche.

Der Ort ist nicht sehr groß, man hat bald alles gesehen, und so essen wir noch Kerry-Lamm in einem Pub, dessen Betreiber die ersten Wirte waren, die wir ausgesprochen mürrisch erlebten. Und zwar die gesamte Famile (Vater, Mutter, Sohn)!

Danach fahren wir zu dem Aussichtspunkt am Clogher Head. Man kann da einen kleinen Berg hinauflaufen und hat einen wirklich reizenden Ausblick. Ich setze mich an den Rand und schaue aufs Wasser. Jochen, der nicht schwindelfrei ist, bekommt fast eine Krise, als er mich da sitzen sieht, weil er mich jeden Augenblick in die Tiefe stürzen sieht (aber das ist wirklich nur eine optische Täuschung, ich sitze fest und sicher). Am Fuße des Aussichtspunktes hat irgendwer begonnen, einen Steinhaufen aufzuschichten, und wir legen jeder auch einen Stein hinzu, auf daß der Haufen größer werde. Noch weiter unten, schon fast am Parkplatz, ist zwischen all dem kargen Grün und den Steinen eine leuchtend grüne Stelle, da wachsen ganz unmotiviert viele Calla, das sieht richtig schön aus, und eine Menge Leute fotografieren diese Besonderheit. Wir natürlich auch.

Ich habe übrigens einen ziemlichen Schnupfen, der macht mir etwas zu schaffen. Aber sicher ist das bald auch wieder überstanden.

 

Auf der Rücktour halten wir noch einmal in Dingle (irgendwie mögen wir diesen Ort). Dort nehmen wir dann auch unseren Tee.

 

Auf dem Weg nach Hause halte ich immer Ausschau nach dem Friedhof, der mir auf dem Hinweg aufgefallen war. Ich glaubte schon, ihn übersehen zu haben, weil wir fast zu Hause sind, aber da ist er groß und gut sichtbar an der Straße gelegen. Der Ort nennt sich offenbar Bootsteen, ist aber auf unserer Karte nicht eingezeichnet.

Wir sehen uns den Friedhof an. Die Gräber sind hier auch, wie anderswo, für unsere Begriffe recht schmucklos, es ist kaum Grün zu sehen. Die Gräber haben alle große Grabsteine, das Grab ist eingefaßt und mit weißen Kieselsteinen gefüllt (es gibt keine Grabhügel). Manchmal liegen Plastefiguren (Mutter Gottes oder so) auf dem Grab. Und auf manchen Grabsteinen ist auf der Rückseite der Name der Familie ganz groß zu lesen. Es sind in der Regel keine Einzelgräber, sondern Familiengräber. Und auf den Steinen ist vermerkt, wer in welcher Funktion innerhalb der Familie (Vater, Mutter, Sohn usw.) beigesetzt ist.  Selten steht das Geburtsdatum dabei, meist nur das Todesdatum und manchmal das Alter. Auf einem Grab ist ein kleiner extra Grabstein in der Ecke, auf dem sich ein Farbfoto eines 16-jährigen Jungen befindet, der im vergangenen Jahr im Oktober gestorben war.

Wir sehen auch ein offenbar frisches Grab, noch ohne Grabstein. Es war ausschließlich mit künstlichen Blumengebinden bedeckt.

Auf einem Grabstein steht der Name Maurice Prendergast, Socialist Republicanist (oder so ähnlich), Moss Duke ???? Jochen meint, den Namen schon gehört zu haben, aber er kommt nicht darauf, in welchem Zusammenhang.

 

Als wir fast zu Hause sind, müssen wir anhalten, um einen sehr langen Autocorso vorbeizulassen. Der wird angeführt von dem Leichenwagen, den wir gestern gesehen hatten (ich merke es u.a. an der Autonummer). Ein blumengeschmückter Sarg wird transportiert, und wir nehmen an, daß sie alle zu dem Friedhof fahren, von dem wir eben kommen.

 

An diesem Abend macht Jochen endlich Feuer, viel Zeit bleibt ja nicht mehr, das Holz zu verbrauchen. Es ist sehr schön, der Kamin hat einen ordentliche Zug drauf, das Feuer prasselt, und schnell wird uns schrecklich warm.

 

 

 

Donnerstag, 3. Juni 1999

 

Heute erleben wir erstmals Regen, als wir aufwachen. Das muß wohl auch der Grund sein, weshalb Jochen "verschläft" und "erst" 7.00 Uhr aufsteht. Aber schon beim Frühstück hört der starke Regen auf, und es klart auf.

Wir beschließen, nun doch zum Rock of Cashel zu fahren. Das wollte ich eigentlich erst nicht so recht, weil es doch eine lange Fahrt dahin ist. Wir fahren über Killarney, Mallow und Mitchelstown in Richtung Dublin. Erst 12.30 Uhr sind wir da, wir sind auch relativ spät weggefahren. Wir parken auf einem öffentlichen Parkplatz und gehen zu Fuß zu dem Felsen. Den verehrten bereits die Kelten, und im 5. Jahrhundert errichtete der König von Munster ein Steinfort. 1101 wurde der Berg der Kirche zum Geschenk gemacht, die im 13. Jahrhundert eine Kathedrale, eine Kapelle und einen Rundturm erbauen ließ. Der Legende nach soll St. Patrick am Cashel Rock ein Kleeblatt gepflückt und daran die Dreieinigkleit erklärt haben - die Geburtsstunde des irischen Emblems. Im 18. Jahrhundert wurde die Anlage von der Kirche aufgegeben. Auf den Gräbern an der Anlage sieht man die alten keltischen Kreuze. Überall sieht man auch eingelassene Grabplatten (z.T. auf den Wegen). Das älteste Grab, das ich entdecke, hat das Sterbedatum 1765 vermerkt. Auch heute noch werden Leute dort begraben, die sich das Recht dazu erworben haben.

Der Eintritt in das Rock of Cashel kostet 3 £ pro Person (3 Hirsche, wie Leo immer sagt, denn auf der 1-Pfund-Münze ist auf der Rückseite ein stolzer Hirsch zu sehen).

 

Bevor wir das alles besichtigen, essen wir im "Rock of Cashel Restaurant" zu Mittag. Das ist eine sehr gute Wahl, es schmeckt hervorragend. Kurz nach uns kommt eine deutsche Reisegruppe. Und der Reiseführer erklärt seinen Leuten lautstark, was es alles zu essen gibt und was das ist. Das ist für uns auch ganz gut, den so erfahren wir wenigstens, daß das, was wie ein leckerer Auflauf aussieht (man wählte sich das Essen an einem Büfett aus), auch wirklich einer ist, nämlich Shepards Pie. Das ist ein Kartoffelauflauf mit viel Hackfleisch. Auf der Speisekarte hatten wir das schon oft gesehen, aber nie gewußt, was das ist. Und so weiß ich nun, daß ich das als nächstes probieren werde.

 

Wir sehen uns noch den Ort an mit seinem alten Ortskern. Da sehen wir das erste und einzige Mal in Irland (freilaufende) Hühner. Auch einen sehr sportlichen Hund können wir bewundern. Der ist nicht viel größer als eine Katze und läßt sich recht zögerlich (aber immerhin) von einem fremden Mädchen streicheln. Auf einmal springt er mit einem einzigen Satz auf eine Grundstücksmauer, die dürfte 1,20 - 1,40 m hoch sein, und von da aus in den Hof. Eine reife Leistung für so einen winzigen Hund!

 

Auf der Rückfahrt halten wir in Mitchelstown. Dort gehen wir über den Markt (deshalb habe ich eigentlich angehalten), aber er ist nichts Besonderes. In einem Hotel trinken wir Tee. Am Nebentisch sitzt eine ältere Dame und liest Zeitung. Ich muß sie immer wieder anschauen, denn sie kommt mir sehr bekannt vor. Sie sieht aus wie eine englische Schriftstellerin, die einmal im Fernsehen vorgestellt wurde. Aber wahrscheinlich ist sie einfach nur so ein Typ.

 

Bei der Weiterfahrt baue ich beinahe noch einen Unfall. Es ist aber wirklich ausgesprochen dumm und leichtsinnig von mir. An einer Bauampel fahre ich bei Rot, weil das bei der Hinfahrt an der Stelle alle Autos taten (da war die nicht richtig in Betrieb). Diesmal kommt uns aber ein Auto entgegen! Mit allergrößter Mühe kommen wir aneinander vorbei, und ich schäme mich sehr für diesen Fehler!! Immerhin gibt es aber weder ein Hupen noch ein Meckern oder Vogelzeigen! Undenkbar in Deutschland!

 

Zu Hause läßt sich unser Freund, der Hund, wieder einmal sehen. Jochen läßt ihn einen halben Becher Sahne ausschlecken. Und er tut das so geschickt wie eine Katze, der Becher ist hinterher sauber wie ausgewaschen!

 

 

 

Freitag, 4.Juni 1999

 

In der Nacht wache ich auf, weil es heftig stürmt und regnet. Aber am Morgen erwartet uns wieder die Sonne, die sich aber ab und zu mit Regen und sogar Hagelkörnern abwechselt. Das gibt dann wunderschöne Regenbögen, die sich über die gesamte Bucht spannen. Wenn die Sonne da ist, bescheint sie die Berge so, daß wir erstmals nicht nur die Silhouette, sondern auch die Struktur sehen. Also das kahle Gebirge mit dem wenigen Grün und am Fuße Häuser (auf der Halbinsel Dingle).

Für den Vormittag war Regen auch angesagt worden, aber am Nachmittag sollte es wieder nur leicht bedeckt sein.  Wir richten uns auf einen Vormittag zu Hause ein, und so kommen wir endlich einmal zum Lesen bei richtigem Tageslicht.

In der Nacht träumte ich, in einer Telefonzelle ganz viel irisches Geld gefunden zu haben. Das ist aber leider nur ein Traum....

 

Halb 11 machen wir uns auf nach Killarney, der Regen hat aufgehört, nur ab und zu fallen noch ein paar Tropfen, und da stellen wir uns schnell irgendwo unter. Auf dem Weg nach Killarney will uns offenbar ein Auto überholen. Ich merke es erst, als neben uns ganz schrecklich die Bremsen kreischen. Dem Überholenden kommt ein Auto entgegen. Das Auto schert offenbar wieder hinter uns ein, wir sehen es aber nicht mehr, der Fahrer hat sich vermutlich zu sehr erschrocken und hat angehalten oder was weiß ich. Und ich bin froh, daß es nicht gekracht hat!

In Killarney laufen wir Straßen und Gassen entlang, die wir noch nicht kennen. Wir entdecken auch einige "Bekannte", so z.B. "Sebastian House - B&B", "Rudys Night-Club" und "Sean Leo O'Sullivan, Auctioneer".

 

Mittags essen wir in "Dans Bar", dem einzigen Lokal, in dem es beides gibt, was wir am letzten Tag noch essen wollen: Ich möchte Shepards Pie probieren (ist gut, aber wieder sehr reichlich) und Jochen Bacon and Cabbage (gekochten Schinken und Kraut - er war begeistert).

 

Am Nachmittag fahren wir noch einmal ein Stück auf dem Ring of Kerry. Ich wollte an den Sandstrand bei Glennbeigh Wood. Das ist der, der dem Strand bei Inch direkt gegenüberliegt. Obwohl wir nach Karte fahren, führt der Weg immer mehr auf den Berg hinauf und ist so eng, daß auf keinen Fall zwei Autos aneinander vorbeifahren können. Ich bin schon sehr entnervt, kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir so zum Wasser kommen sollen. An der nächsten Möglichkeit fahre ich wieder zur Hauptstraße zurück. Wahrscheinlich führt der Weg aber doch zum Strand, halt eben über den Berg hinweg.... Wir sehen ihn dann von der Hauptstraße aus. Überhaupt haben wir nun noch wunderschöne Ausblicke auf ein tolles Panorama von der See und den Bergen, von der Sonne beschienen. Wie gedacht zum Abschied nehmen.

 

In Cahersiven trinken wir Tee in einer Bar, die voller Erinnerungsstücke an die South Western Railway ist. Das war eine Eisenbahnstrecke, die von Tralee über Castlemaine, Killorglin (Abzweig nach Killarney) nach Waterford führte und auch in Cahersiven einen Bahnhof hatte.  In der bar hängt ein Plakat, auf dem für eine Fahrt 1899 (also vor genau 100 Jahren!) geworben wurde. Die Bahn ist nicht mehr in Betrieb, aber die Anlagen (Tunnel, Brücken usw.) sind noch zu sehen.

 

Am Abend packen wir unsere Koffer, es dauert nicht lange. Die letzte Nacht in Irland steht uns bevor.

 

Wir haben beide sogar etwas Farbe bekommen, und meine Haare sind auf einmal ganz besonders blond geworden.

 

Am Abend beim Verbrennen des letzten Holzes lassen wir einiges Revue passieren, das uns in den 2 Wochen aufgefallen ist:

 

-          Alte Männer haben hier viel seltener eine Glatze.

-          Man sieht wenige Männer zwischen 30 und 40.

-          Die Frauen, die kleine Kinder haben, sehen oft sehr alt aus.

-          Beim Straßenbau gibt es oft "Lebendige Verkehrsampeln".

Ist eine Fahrbahn gesperrt, regeln keine Lichtampeln den Verkehr, sondern ein Arbeiter zeigt ein Verkehrsschild, auf dem "STOP" (auf rotem Grund) bzw. auf der Rückseite "GO" (auf grünem Grund) steht, und so wissen die Autos jeweils, was sie zu tun haben.

-          Wir haben in Irland eigentlich immer nur "richtige" Hunde, also meist größere Rassen, gesehen, keine Schoßhunde oder Modehunde.

-          Die meisten irischen Männer trinken Lagerbier oder Heinecken, nicht das heimische Guiness  oder Kilkenny. Jochen meint, wahrscheinlich, weil es für weniger Geld mehr Alkoholgehalt bietet.

 

 

 

Samstag, 5. Juni 1999

 

Unser letzter Tag in Irland empfängt uns wieder mit Sonnenschein, und wir stellen fest, daß wir ganz umsonst unsere Regenjacken mitgenommen haben.

Zum Frühstück gibt es zum Glück nichts Gebratenes, denn wir haben ja kein Geschirrspülmittel, um fettiges Geschirr abzuwaschen.

Der Hund läßt sich noch einmal sehen, als würde er spüren, daß wir wegfahren. Jochen gibt ihm die restlichen Lebensmittel.

Wir verpacken das Letzte und kochen uns dann noch einen Tee. Wir warten auf die Hausverwalterin und vertreiben uns die Zeit bis dahin mit Lesen. Sie kommt natürlich nicht pünktlich, aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn wir haben ausreichend Zeit für die Rückfahrt nach Shannon, der Flieger geht erst 19.35 Uhr.

Als die Hausverwalterin kommt (alle anderen Häuser hat sie bereits abgefertigt), macht sie es kurz. Unseren Zählerstand hatte sie vorher schon abgelesen, und sie gibt uns 30 von den hinterlassenen 50 Pfund zurück. Wir hatten extra kein Geld mehr abgehoben und darauf spekuliert. So sind wir noch reichlich mit Geld bis abends versorgt.

 

Wir fahren nun los in Richtung Shannon. In einem Ort baue ich zum Schluß beinahe doch noch einen Unfall. Es ist gestopft voll, und die Autos schieben sich dicht an dicht, aber langsam durch den Ort. Links ist alles vollgeparkt. Ich achte nicht auf diese linke Seite, sondern konzentriere mich auf meinen Vordermann. Und so sehe ich nicht, daß aus der Parklücke ein Lieferwagen rückwärts ausparkt (wo hatte DER denn seine Augen?). Ich kam wirklich nur um Haaresbreite an ihm vorbei und erschrecke mich fast zu Tode. Jochen, der ja links sitzt, ist auch ganz blaß. Gerade noch einmal Glück gehabt!! Das hätte uns am letzten Tag nun gerade noch gefehlt!

 

Wir kommen sehr gut durch. Kurz vor Shannon biegen wir ab zum Bunrattle Castle. Leo und auch Hildi hatten uns das angeraten, und wir hatten ja ausreichend Zeit. Jochen hatte allerdings überhaupt keine rechte Lust, weil es nicht nur das Castle anzuschauen gab, sondern dazu noch einen Folk Park. Das ist nun gar nicht nach Jochens Geschmack, er hat dabei wohl so etwas wie einen Vergnügungspark Im Hinterkopf. Als dann auch noch 5,25 Pfund pro Person Eintritt verlangt werden, sträubt er sich total. Ich könne ja allein gehen, nur dazu habe ich auch keine Lust. So lassen wir es sein. (Später sehe ich bei Hildi Fotos davon und denke, daß es mir schon gefallen hätte).

 

Wir vertreiben uns die Zeit, indem wir zu Mittag essen, die Geschäfte durchstreifen usw. Ich bekleckere mich beim Mittagessen (wieso auch nicht?) und ziehe mich im Auto um. Gottlob sind ja die Koffer mit den Klamotten im Auto.

 

Ich habe etwas Sorge, ob wir wohl die Abgabestelle für das Auto finden, aber das war alles bestens ausgeschildert. Bei der Abgabe des Autos gibt es noch ein wenig Aufregung, weil auf der Motorhaube ein Kratzer ist, der schon am ersten Tag da war (und nicht durch uns geschehen), aber nicht in den Papieren vermerkt war. Man verlangt von mir den Mietvertrag, aber ich habe mein Gedächtnis wohl 14 Tage lang nicht trainiert, ich finde ihn beim besten Willen nicht. Wie so oft habe ich ihn gut und logisch zum Wiederfinden weggepackt, nur funktioniert die Logik nicht mehr (2 Wochen später finde ich ihn zufällig in der Hülle, in der ich alles zu meiner ADAC-Mitgliedschaft habe.). Es ist aber am Ende kein Problem, denn die Angaben finden sich im Computer. Und da ich Vollkasko habe, spielt auch der Kratzer keine Rolle. Ich muß wieder die VISA-Card abgeben, diesmal, weil sie uns 30 Pfund für die Tankfüllung zurück überweisen wollen.

Wir sind etwa 2500 km mit dem Auto durch Irland gefahren und haben doch nur einen Bruchteil des Landes gesehen.

 

Mit dem Shuttle-Bus fahren wir zurück zum Flughafen, können auch gleich unser Gepäck abgeben. Und so verwarten wir dann die Zeit bis zum Abflug. Es geht wieder eine halbe Stunde später (20.05 Uhr) los, und so rufe ich Daniel an und teile ihm das mit. Er verfolgt aber schon im Videotext die Anzeige über unseren Flug.

Während des Fluges stellen wir die Uhr wieder eine Stunde vor - so sind wir wieder gerüstet für die Heimat.

Beim Abflug haben wir noch einmal einen schönen Blick über die grüne Insel, bis wir in Wolken verschwinden. Erstaunlicherweise war es über der See aber wieder - wie beim Hinflug - so klar, daß man winzige Spielzeugschiffe sehen konnte.

Die Nacht brach auf unserer Seite herein, die andere Seite war lange in das tiefe Abendrot getaucht. Die Städte liegen wie kleine Schmuckstücke unter uns. Ich hätte gern gewußt, welche Stadt wir jeweils überfliegen (es ging über Amsterdam und Hannover), aber dazu werden keine Angaben gemacht. Endlich taucht das riesige Lichtermeer von Berlin auf. 23.15 Uhr sind wir wieder in Berlin. Daniel, Anja und Sebastian bilden das Empfangskomitee. Daniel fährt zuerst zu sich nach Hause, danach übernehme ich das Steuer und fahre noch eine halbe Stunde nach Marzahn. Es ist sehr sehr ungewohnt, auf einmal wieder rechts zu fahren. Ich muß mich mächtig konzentrieren. Und das Auto geht mir beinahe aus, weil ich noch den Toyota gewohnt bin, dessen Kupplung wesentlich leichter reagierte.

 

Dann sind wie wieder daheim - und darüber sind wir auch ganz froh.