Magdeborn - Am Tanzberg

Am Tanzberg

 

 

 

MAGDEBORN 

- der Ort, den es nicht mehr gibt -

 

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Magdeborn

 

 

... und an dessen Stelle sich in Zukunft der Störmthaler See befinden wird

 

 

Hier verbrachte ich hauptsächlich meine

Grundschulzeit.....

 

 

 

 

Kirchensiegel der Kirche zu MagdebornMagdeborn hatte eine mehr als tausendjährige Vergangenheit, bevor es 1978 der Braunkohle geopfert wurde. Es war eine große Gemeinde. Sieben "Göseldörfer" - so genannt nach dem Bach, der sich durch die Fluren schlängelte - hatten sich zusammengeschlossen. Dazu gehörten typische Runddörfer, deren Entstehung bis in die Zeit der Slawen zurückgeht, aber auch Siedlungen vom Ende der dreißiger Jahre , die fast kleinstädtischen Charakter trugen.

 

 

Die sieben Göseldörfer Magdeborns

 

Magdeborn lag an der vielbefahrenen Fernverkehrsstraße F95 von Leipzig nach Chemnitz. Nach Leipzig waren es 11 km, nach Borna 13 km.

 

Als beschlossen war, dass die unter Magdeborn liegende Braunkohle gefördert werden soll, wurden die ca. 3000 Einwohner von Magdeborn, gemanagt durch die „Kommission für Ortsverlegung“ umgesiedelt. Sie erhielten Wohnungen in den neuen Plattenbausiedlungen in Leipzig, wie z.B. Grünau oder Schönefeld, in Mockau, Leipzig-Ost und –West, in Thekla oder in Borna. Andere bezogen anderswo Einfamilienhäuser oder zogen ganz weg.

 

Mit dem altehrwürdigen Magdeborn, vor 1030 Jahren als Kastell Medeburu gegründet, verschwand nach der Pleißeaue auch noch die Göselaue. Beide Flüsse wurden in schnurgerade Betonrinnen gezwängt. Verlegt werden mußte auch die alte Landstraße F 95, die plötzlich im Niemandsland endete. Spätestens Mitte der 70er Jahre hatte der städtische Vorraum endgültig sein Antlitz verloren: "Keine Ortsdurchfahrten mehr, kein Federvieh auf den Straßen, nicht der charakteristische Dorfgeruch", heißt es in den "Leipziger Landschaften" und: "Hier will man möglichst schnell hindurch."

 

 

Für fast alle Leute, besonders für die alten eingesessenen, war der Auszug aus dem Heimatort, in dem sie ein Leben verbrachten, in dem man jeden Menschen, Baum und Strauch kannte, mit Tränen  verbunden. Und noch heute sind die Erinnerungen an den Ort, den es nicht mehr gibt, wach. 

 

 

An jedem ersten Samstag im September ab ca. 15 Uhr treffen sich ohne vorherige Einladungen ehemalige Magdeborner zu einem Plausch über alte Zeiten und die verlorene Heimat. 

Treffpunkt ist im „Sportlerheim Störmthal“ in Großpösna, Hauptstraße 17, Telefon-Nummer: 03 42 97 / 4 11 30.

 

 


 

Anläßlich der Entwidmung der Kirche zu Magdeborn, die am 3. September 1978 erfolgte, wurde eine kurze Chronik herausgegeben:

 

 

 

Aus der Chronik der Kirche zu Magdeborn

 

 

Die Magdeborner Kirche

Der Altar mit Taufstein 

968 bis 1978, das sind 1010 Jahre Geschichte unseres Ortes von der ersten urkundlichen Erwähnung an bis zum Tage der Entwidmung unseres Gottes­hauses. An diesem für unseren Ort und für uns persönlich so wichtigen Ein­schnitt wollen wir einige wenige Bilder aus der Vergangenheit von Magde­born betrachten, genau so, wie sie uns in der Chronik überliefert sind. Es kommen hier die Menschen zu Wort, die als die Betroffenen das von ihnen Erlebte berichten, mit »herz- und schmerzlich gekränkter Feder und priesterlich herausgepreßtem Gebete«, wie etwa Pfarrer Loth im 17. Jahrhundert. Es geht hier nicht um die große Weltgeschichte mit ihren bedeutenden Ereignissen, es geht vielmehr um die Geschichte von Menschen, ganz einfachen Menschen, die sich in ihrer Zeit und an ihrem Ort zu bewähren hatten, über die in keinem Geschichtsbuch berichtet wird. Wie diese Menschen über ein Jahrtausend lang im Umkreis der Kirche von Magdeborn gelebt, Freude und Leid getragen und ihre Zuversicht auf den Herrn gesetzt haben, davon sollen diese Ausschnitte aus der Chronik Zeugnis geben.

 

Die erste Nachricht über Magdeborn stammt aus der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg (1004—1019). Dort heißt es: »Kaiser Otto (936 bis 973) überwies dem Bischof Boso einige zu Merseburg gehörige Dörfer und ein gewisses im Gau Gautzsch gelegenes Kastell Medeburun genannt, d. h. übersetzt Honigzoll.« Diese Schenkung geschah am 28. Dezember 968. Da­mals bestand also schon dieses Kastell Medeburun.

 

Wir fragen uns: Wann und wo sind solche Kastelle angelegt worden? Seit Ende des 6. Jahrhunderts wohnten in unserer Gegend die Sorben. Erst der oben erwähnte Kaiser Otto hat dieses Gebiet in das Reichsgebiet eingefügt. Sein Vorgänger, Heinrich I. (919—936), hat ihm dazu wichtige Vorarbeit geleistet. Dies geschah durch Gründung eines schlagfertigen Reiterheeres und durch die Burgwardverfassung. Die Reiter erhielten ein paar Hufe Land zu eigener Bestellung. Als Gegenleistung waren sie zu steter Kriegsbereitschaft verpflichtet. Neben diese militärische Organisation trat ergänzend als zweite die Burgwardverfassung. Der Burgward selbst lag auf einem Hügel und war von einer Holz- oder Steinmauer umgeben. Innerhalb des Burgwardes wohn­ten die Burgmannen. An seinem Fuße und damit unter seinem Schutze sie­delten sich Bauern an, die als Gegenleistung für den Schutz einen Teil der Ernte an die Insassen des Burgwardes abgeben mußten.

 

Bald gewann der Burgward auch politische Bedeutung. Er bildete die unterste Stufe des Staatsapparates. Er hatte dafür zu sorgen, daß die Gesetze des Staa­tes befolgt wurden. Hier fanden auch die Gerichtsverhandlungen statt und hier war der Zehnte abzuliefern. Schließlich erhielt der Burgward auch kirch­liche Bedeutung. Hier wurde die Mutterkirche gebaut. Die Kirchen außerhalb des Burgwardes waren Tochterkirchen und von der Mutterkirche abhängig. Bischof Thietmar übersetzt den Namen Medeburun mit met-prohibe, d. h. Honigsperre oder Honigzoll, offenbar weil hier auch Honig als Zoll abgelie­fert wurde.

Andere Deutungen des Ortsnamens sind: med = Mitte und burun = Wald. Später ist der Name germanisiert worden. In einer Chronik von 1337 heißt unser Ort Meydeborne, d. h. Born (Quelle) der Magd. Mit der Magd ist Maria, die Mutter unseres Herrn, gemeint.

 

Eine alte Sage berichtet: Der Quell am Fuße des Pfarrgartens habe heilkräf­tiges Wasser enthalten. Deshalb seien früher viele Wallfahrer um dieser Quelle willen hierher gekommen. Die Kirche sei eine Wallfahrtskirche gewe­sen und der Maria geweiht worden. Und weil es bei den Wallfahrern nicht ohne Vergnügen abging, sei der an die Kirche grenzende Ort »Tanzberg« genannt worden. Dieser Name ist bis zum heutigen Tage erhalten geblieben.

 

Besonders wertvolle Arbeit haben die Mönchsorden in unserem Gebiet gelei­stet. Vor allem die Zisterzienser haben Klöster gegründet (Pegau und Alt­zella) und ausgedehnte Rodungen vorgenommen. Damit wurden die großen Waldgebiete landwirtschaftlich nutzbar gemacht. In der Reformationszeit hatte der Burgward endgültig seine Bedeutung verloren. Die Herrschaft im Lande übten die Fürsten aus. Die Gerichtsbarkeit lag bei den Rittergütern. In einer Lehnsurkunde vom 19. April 1571 heißt es: »Der Besitzer von Kötzschwitz, Caesar von Breitanbauch, ist mit Maideborn, 3 Gärten samt dem Tanzberg, 3 wüsten Höfen hinter der Kirche ... belehnt worden.« Der erste evange­lische Pfarrer von Magdeborn war Pfarrer Donner, der 1556 als Emeritus verstorben ist.

 

Im 30jährigen Krieg war Magdeborn wiederholt Kampfgebiet. Es wird in dieser Zeit immer nur von der »wüsten Mark Magdeborn und Tanzberg« gesprochen, so auch noch 1690, also 42 Jahre nach Beendigung des 30jährigen Krieges.

 

Ausführlicher wird erst wieder von Pfarrer Caspar Loth berichtet, der von 1673 bis zu seinem Tode 1712 Pfarrer von Magdeborn war. Er hat erleben müssen, wie ihm das Pfarrhaus buchstäblich über dem Kopf zusammengebro­chen ist. Er hat einen Prozeß gegen den Besitzer des Rittergutes Störmthal, Herrn Satz Friedrich von Fullen geführt, der die Abtrennung der Gemeinden Störmthal, Dreiskau und Kleinpötzschau von Magdeborn erwirken wollte. Der Chronist berichtet: Seine (des Pfarrers Loth) Klagen waren um so berech­tigter, da ihm durch diese Abtrennung seine in der Berufung nach Magde­born zugesicherte Besoldung bedeutend verkürzt wurde. Überdies wurde ihm noch der »Sackzehnt« aus Muckern und Hainichen entzogen und dem Pfarrer von Störmthal zugesprochen. Den langwierigen und kostspieligen Prozeß, der in letzter und höchster Instanz am kurfürstlichen Hofe in Dresden ver­handelt wurde, verlor natürlich Pfarrer Loth.

 

Aber das war nicht alles an Schicksalsschlägen! 1682 brach die Pest aus. Dechwitz war so stark von der Pest betroffen, daß es gänzlich abgesperrt wurde. Sogar dem Pfarrer war es verboten, den Ort zu betreten. Die wäh­rend der Pest in Dechwitz geborenen Kinder wurden unter freiem Himmel auf dem Wege zwischen Dechwitz und Magdeborn getauft.

 

Die Leichen wurden in der Nacht auf einem Karren zum Friedhof gebracht und von den An­gehörigen ohne Glocken und Gesang elendiglich begraben oder gleich im Garten des betroffenen Hauses beigesetzt.

   

Von den besonderen Ereignissen möchte ich noch das große Brandunglück vom 17. April 1756 herausheben. Der damalige Pfarrer Kleinig berichtet dar­über ausführlich: Es war der Sonnabend vor dem Osterfest. Am Vormittag hatten sich bereits vom Osten und Süden her Gewitter zusammengezogen. Gleichwohl verlief die am Nachmittag stattfindende Abendmahlsfeier, an der 81 Beichtkinder teilnahmen, ungestört. Aber kurz nach 4 Uhr entluden sich die Gewitter in fürchterlicher Art. Kaum hatte es 5 geschlagen, da schlug der Blitz in die Kirche. Er traf den Turmknopf, zerschmolz das Kupfer, setzte das Gebälk des Turmes in Brand, zerstörte einen Teil des Mauerwerks des Tur­mes und der Kirche und richtete an der Uhr, der Orgel und dem Gestühl große Verwüstungen an.

 Der angerichtete Schaden konnte des dazwischengekommenen Krieges wegen nur notdürftig repariert werden. Die Kirchgemeinde mußte statt im Gottes­haus auf dem Malzboden des Rittergutes Kötzschwitz zusammenkommen. Die Verhandlungen über den Wiederaufbau zogen sich über 18 Jahre hin. Dann wurde die neue Kirche in 26 Wochen aufgebaut. Am 21. November 1784 konnte die feierliche Einweihung stattfinden. Von den mancherlei Kriegswir­ren, in die Magdeborn einbezogen worden ist, möchte ich nur die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 erwähnen. In unserem Gebiet bereiteten die Truppen der Verbündeten ihren Kampf gegen Napoleon vor. Von hier aus begann der siegreiche Angriff der russischen Garden auf das von Franzosen besetzte Auenhain. Auf dem Hügel von Güldengossa beobachteten die drei Monarchen den Kampf. Ein Reiterangriff von 12 000 französischen Kürassieren blieb in den Sümpfen von Güldengossa stecken. Die drei Monar­chen entgingen nur mit knapper Mühe und Not der Gefangennahme. Da sammelte sich die Reservekavallerie der Verbündeten unter Fürst Konstantin zum Angriff auf den hiesigen Pfarrfeldern. Der damalige Pfarrer Opitz mußte fast unbekleidet aus seiner Wohnung fliehen. Er verlor nicht nur seine Vorräte an Getreide und seinen bedeutenden Viehbestand, sondern auch seine Bibliothek und das Kirchenarchiv, das nach der Versicherung der Au­genzeugen zerstreut im Pfarrhofe umherlag, wo Menschen und Pferde sich drängten und wo Gesunde, Verwundete, Sterbende und Gefangene ein schmerzliches Gewühl bildeten, so wieder die Chronik.

 Waren Kirche und Pfarrgebäude im Kriege von 1813 verschont geblieben, so traf die Kirche abermals der Blitz am 4. September 1857 und richtete bedeu­tende Verwüstungen an. Im Inneren der Kirche waren fast sämtliche Fenster zerbrochen. Die Decke der Kirche hatte Löcher wie von Flintenkugeln herrührend, und in die Mauern waren einige Löcher eingeschlagen. Diese Kirche bestand bis zum Jahre 1912. Da geschah die große Renovierung aus den Mitteln der Jostschen Erbschaft (Die neue, vom Leipziger Baumeister Lange entworfene Kirche wurde im zeitnahen Jugendstil gebaut). In der gleichen Zeit wurden auch Pfarrhaus und Kantorat neu gebaut.   

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Magdeborn, bestehend aus Magdeborn mit Tanzberg und Rittergut Kötzschwitz, Gruna, Dechwitz, Sestewitz, Göhren, Göltzschen und Rödgen insgesamt 1439 Einwohner. Im Zuge des Kraftwerksbaues Espenhain sind von 1938—1941 eine große Zahl von Siedlungshäu­sern dazugekommen. So wurde innerhalb weniger Jahre aus einem einstigen dörflichen in sieben Göseldörfer aufgeteilten Kirchspiel Magdeborn eine mo­derne und völlig veränderte Kirchgemeinde. War in den vergangenen Jahr­hunderten das bäuerliche Element beherrschend, trat nun an seine Stelle der Industriearbeiter. Hatte Magdeborn 1937 noch 1600 Einwohner, so waren es 1946 bereits 4000, berichtet Pfarrer Colditz. 

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Magdeborn erneut Kampfgebiet. Am 16. April 1945 näherten sich amerikanische Panzer von Güldengossa her unserem Ort. Sie wurden von einer in Magdeborn aufgestellten Flakbatterie beschossen. 24 meist sehr junge Männer, die zum »Reichsarbeitsdienst« ein­gezogen waren und an den Geschützen standen, mußten dieses sinnlose Unternehmen mit dem Leben bezahlen. Sie sind in einem Ehrenhain auf dem Friedhof von Magdeborn beigesetzt. Nach der Befreiung vorn Faschismus be­gann auch für unsere Kirchgemeinde die Zeit des äußeren und inneren Wie­deraufbaues. Es war eine religiöse Besinnung zu spüren, die sich in gutem Gottesdienstbesuch und vielfältigen Gemeindeveranstaltungen äußerte. Demo­kratisch gesinnte Menschen hatten sich zusammengefunden, um möglichst bald aus der chaotischen Hinterlassenschaft des Nazismus herauszukommen. 

Ein letzter Höhepunkt für uns war die 1000-Jahr-Feier unseres Ortes im Jahre 1968. Eine große Gemeinde hatte sich am 22. September zu einem Festgottesdienst versammelt, in dem Professor Dr. Wagner aus Leipzig die Festpredigt hielt. 

Ein Jahrtausend lang ist in Magdeborn die frohe Botschaft von Jesus Christus verkündet worden. Wir dürfen dankbar auf das zurückblicken, was unsere Gemeinde an gnädiger Führung Gottes hat erleben dürfen. Am Tage der Entwidmung, dem 3. September 1978, steht im Losungsbuch:

Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an. 

Psalm 71, 5  

 

Ein jeglicher von euch beweise denselben Eifer, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende.  

Hebräer 6, 11   

  

 

Wie Gott mich führt, so bleib ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden.

Steht er mit seiner Kraft mir bei, was will mich von ihm scheiden?

Ich fasse in Geduld mich fest; was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum Besten dienen.  EKG 30Z, 5

   


 

Bilder aus der Kirche zu Magdeborn:

 

Ein Blick in das KIrcheninnere

 

                                Die Orgel                                              ..noch eine Kanzel


Viele interessante Informationen und Fotos zu Magdeborn finden Sie auch unter:

 

                                              www.magdeborn.de

 

 


 

Ganz und gar ist die Kirche von Magdeborn nicht verschwunden. Teile davon haben andere Kirchen übernommen:

 

 

Kanzel

Auferstehungskirchgemeinde Leipzig-Möckern  

Altar und Kanzel


Der Sandsteinaltar aus der Bauzeit der Kirche wurde beim Umbau der Kirche 1974-1982 abgebrochen. Heute ist die Kirche mit einem einfachen Holzaltar ausgestattet. Das große Altarkruzifix, eine Oberammergauer Schnitzarbeit, wurde an der Orgelempore angebracht. Auch die Kanzel fiel den Umbauarbeiten zum Opfer, es wurde der Kanzelkorb der abgebrochenen Kirche aus Magdeborn bei Leipzig übernommen.

 

 

 

Pauluskirche

 

 

Pauluskirche in Leipzig-Grünau

 

Die Pauluskirche in Leipzig-Grünau, konzipiert als Gemeindezentrum, hat als Grundidee, ein Zelt für das wandernde Gottesvolk zu sein. Der Entwurf dafür stammt von Rainer Ilg, Gerhart Pasch und einem Leipziger Architektenteam. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche 1983 geweiht. Die Altarwand im Inneren gestaltete der Leipziger Künstler Matthias Klemm.

 

Im Glockenturm befinden sich drei Stahlglocken (1950 gegossen, von Martin Laux gestiftet) der ehemaligen Kirche zu Magdeborn, einem Ort, welcher der Braunkohleüberbaggerung weichen mußte. Im Gang der Pauluskirche finden regelmäßig wechselnde Bilderausstellungen statt.

 

 

 

 

 

Weiterhin befinden sich:

der Altaraufsatz - in der Kirche Chemnitz-Harthau     

die Orgel - in der Martin-Luther-Kirche 

in Markkleeberg-West, Pfarrstr. 9  

 

 


Heute gibt es auch den Tagebau, in dem die Braunkohle von Magdeborn gefördert wurde, nicht mehr.

 

„DIE WELT“

Sonntag, 05. November 2000
(Auszug aus dem Artikel)

Wo gestern Wüsten wuchsen, sollen morgen Oasen blühn

Explosion zum Epochenwechsel: Im Braunkohlentagebau Espenhain wird eine Abraumförderbrücke gesprengt und eine überholte Wirtschaftsweise beerdigt / Von UWE MÜLLER

Die Umgebung von Leipzig sieht aus wie von Metastasen zerfressen. Der Abbau von Braunkohle, der eine fast drei Jahrhunderte lange Tradition aufweist, hat das Antlitz der Landschaft entstellt. Im Tagebau Espenhain wird nun mit der Sprengung einer mächtigen Stahlkonstruktion ein Kapitel Industriegeschichte beendet.

Was "F 45" hinterlassen hat, zeigt ein Blick vom 108 Stufen hohen Hauptführerstand: eine Mondlandschaft, weiter als das Auge reicht. Um 569 Millionen Tonnen Braunkohle zu gewinnen, wurden über die von drei Baggern gespeiste Brücke 1,7 Milliarden Kubikmeter Abraum bewegt. Das entspricht einem Loch von 100 Kilometer Länge, zehn Kilometer Breite und 14 Kilometer Tiefe.

Wo heute gräßliche Krater klaffen, wird in der zweiten Dekade des nächsten Jahrtausends eine grüngesäumte Seenplatte locken. Braungebrannte Erholungsuchende mit Surfbrettern statt rußverschmierter Kumpel: Das sind die Verheißungen der Zukunft. Die Gegenwart sieht anders aus und ist auf der topographischen Karte "Leipzig Süd" dokumentiert: Von Baggern zerfressenes, unwirtliches Ödland, ohne Wege und Bäche, ohne Häuser und Kirchen.

Unter den Abbaustätten, die Leipzig gleich von Norden, Westen und Süden her in die Zange nehmen, war die von Espenhain die wichtigste. Die penibel geführte Statistik weist eine "Landinanspruchnahme" von 3972,6 Hektar aus. Ein Areal, das gut einem Viertel der angrenzenden Stadtfläche entspricht, die lange selbst bedroht war: Der Espenhainer Krater ragt weit in die Messemetropole hinein. 7600 Meter mißt die Luftlinie von der nördlichen Bruchkante bis zum historischen Marktplatz.

"Die Kohle sitzt einem in Leipzig überall im Nacken", heißt es im mit düsteren Schwarzweißbildern illustrierten Lesebuch "Leipziger Landschaften", das 1986 nach einem mehrjährigen Ringen mit den DDR-Zensurbehörden erscheinen konnte. Das "schwarze Gold" hat der Region, einer Kulturlandschaft mit über 1000jähriger Tradition - lange Reichtum beschert und sie dabei in eine Wüstenei verwandelt.

Die ferne Zukunft des Tagebaus Espenhain kann als Skizze schon besichtigt werden: Blau-, Grün- und Gelbtöne suggerieren die Versöhnung mit der Natur. Zwei Seen mit zusammen 940 Hektar, größer als der Müggelsee, werden etwa zwölf Jahre nach Flutung vollgelaufen sein. Bergahorn, Traubeneiche, Roterle, Winterlinde, Vogelkirsche und Saalweide sollen die Ufer zieren. "Man wird dann nur noch aus Überlieferungen hören, daß dieses Gebiet einst von einer Mondlandschaft geprägt war", steht unter dem farbenfrohen Gemälde.